Jenzig-Gesellschaft e.V.

 
 
 
 

Aus dem Archiv

Hinweis: Auf diesem Link werden einige Auszüge aus historischen Berichten des alten Jenas wiedergegeben.

1. Wo Jena seinen Anfang nahm und der Berg zum Namen kam  

Recherche von Wolfgang Eifler - unter Verwendung des Beitrages und Matthias Rupp, Dipl.Mus. “Wo Jena seinen Anfang nahm“ In "Stadterneuerung Jena, Bodendenkmalpflege in der Stadt Jena 1998", Seite 20 - (Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers)

Wohl kaum ein Problem hat die Jenaer Geschichtsforschung so sehr beschäftigt, wie die Frage, wo der im Zehntregister des Klosters Hersfeld zum Ende des 9. Jh. genannte Ort Jani einstmals gelegen habe. Man vermutete den Ausgangspunkt der Jenaer Siedlung am Heinrichsberg, in der Jener Gasse, am Markt oder in anderen Ortslagen. Und obwohl der Jenaer Stadtarchäologie trotz mittlerweile flächendeckender Untersuchungen ein entsprechender Nachweis an den genannten Orten nicht gelungen ist, hält sich an der öffentlichen Meinung hartnäckig die These, den um 890 genannten Ort Jani mit der hochmittelalterlichen Stadtgründung Jenas zu ver-binden.

Die Jenaer Stadtarchäologie lieferte bereits frühzeitig auch zu diesem Thema neue Anhaltspunkte. Denn bereits seit langem sind slawische Funde aus dem Gebiet um die Schillerkirche in Wenigenjena bekannt. Allerdings handelte es sich meist um Oberflächenfunde, die im Zuge von Baumaßnahmen oder Gartenarbeiten zu Tage kamen. Immerhin waren bereits in den 70‘und 80‘er Jahren des vorigen Jahrhunderts nur etwa 600 m neben der Schillerkirche slawische Reihengräber angeschnitten und durch F. Klopfleisch untersucht worden.

Im Zuge baubegleitender Befundaufnahmen im Ortskern von Wenigenjena gelang es 1992 erstmals, Siedlungsgruben als definitive slawische Siedlungsnachweise zu erfassen. Sie enthielten neben jungslawischer Keramik des 10. und 11. Jh. u.a. auch verkohlte Reste wie Saatweizen, Roggen, Gerste, Linse und Kornrade. Daher war es für die stadtarchäologische Forschung in Jena von besonderer Bedeutung, als im Herbst 1997 auf dem Gelände des ehemaligen Edelhofes in Wenigenjena Schachtarbeiten für investive Massnahmen begannen. Im Rahmen erster Untersuchungen konnten fünf Siedlungsgruben erfasst und dokumentiert werden. Sie enthielten neben Knochen und Bruchstücken einer Reibemühle vor allem mittel- und jungslawische Keramik, die in das 9. bis 11. Jh. datiert wurde. Daneben wurden auch Fragmente frühdeutscher Keramik des gleichen Zeitraumes geborgen werden.

Damit ist erstmalig ein sicherer Beleg erbracht, dass zur Zeit der frühesten urkundlichen Erwähnung des Namens Jani im Bereich Wenigenjena ein vorstädtischer slawisch-deutscher Siedlungskern bestand. Der Geschichtsforscher M. Waehler stellte 1930 die These auf, dass es sich hier um eine sorbische Nebensiedlung handelte, die eigentlich “Windischenjena“ heißen müßte. Urkunden belegen eindeutig, dass zu lateinisch parvus (klein) die Belege von 1257 parvo Geine, 1307 pario Jhen, 1348 parvo Jhena, 1349 parvum Jhena, 1378 Jena minor und 1523 Jhena villa (Dorf Jena) gehören.

Auch der Name des angrenzenden Berges “Jenzig“ ist zweifeillos von “Jan!‘ abgeleitet. Nahe liegt auch der sorbische Name “Jansko Hora“ (Jenaischer Berg). Der Berg ist ursprünglich und auch nachgewiesen von sorbischen Siedlungen umgeben, wie Prießnitz, Wogau, Löbichau, Rodigast, Taupadel, Löbnitz, Kunitz, Laasan, Löbstedt (Ljubogostici) u.a. Im Mittelalter waren die Berghänge mit Weinpflanzungen bedeckt, an den Südhängen wurden hohe Erträge erzielt. Als Erbstück der Gräfin Mathilde, 1157 erstmalig erwähnt, wird der Jenzig ab da oft bei Übertragungen und Überschreibungen genannt. Bereits im Jahr 1157 wird der Jenzig (montem genzege) von Friedrich I. -Barbarossa- in einer Urkunde (Kopie liegt im Archiv der Jenzig-Gesellschaft vor) als gar trefflicher Weinberg benannt. In einem aus dieser Zeit stammenden Spruch heißt es:

“Wer einen Weinberg am Jenzig,
einen Garten auf der Insel,
ein Haus hat am Markt,

neun Arkker im Feld und 300 Gulden im Kasten -

der kann ein Bürger in Jena wohl bleiben“
 

Mit dem Rückgang des Jenaer Weinbaus verschwand auch das Interesse am Jenzig bis dann Friedrich von Schiller auf seine eigenartige Schönheit aufmerksam wurde. In Studierzimmer seiner ersten Jenaer Wohnung, dem Giebel des Griesbachschen Hauses, hatte er ständig die auffallende Gestalt des Jenzig‘s vor Augen, sein Blick fiel direkt auf die im Abendsonnenschein strahlende Bergnase. Er hat dem lieb gewordenen Jenzig 1795 ein literarisches Denkmal gesetzt, ohne dessen Namen unmittelbar zu nennen. Daraus folgte sein berühmtes Gedicht:

                  "Mit einem Gang durch die Saaleaue tritt der Wanderer
                    in den Wald
am Fuße des majestätischen Berges.
                    Ein erhebendes Gefühl umgibt den Wanderer,

                    mit dem Gewinn an Höhe fällt der Blick zurück

                    auf die liebliche Aue, das traute Städtchen,
                    das sich silbern windende Band der Saale..."

 Dass Friedrich v. Schiller die Wanderung von seiner Wohnung nach dem steilen Jenzig wiederholt zurückgelegt hat und die Aussicht vom Gipfel kannte, wird nicht zu bezweifeln sein, da er diese Gegend in den ersten Jahren seines Jenaer Aufenthaltes oft, manchmal auch zu Pferde, durchstreifte. Nach Schillers fast schwärmerischen Gedichten über den Jenzig geriet der Berg wieder in ziemliche Vergessenheit und blieb es beinahe ein Jahrhundert lang.

Wenige passionierte Wanderer mögen sich der besonderen Ausblicke vom Jenzig erfreut haben, und die Jugend von Wenigenjena tummelte sich auf seiner Höhe. Aber es wuchs wohl langsam das Gefühl, dass etwas mehr für den Jenzig getan werden müsse, dass man seine einzigartigen Schönheiten und Besonderheiten auch der Allgemeinheit zugänglich und offenbar machen sollte.

 

2. Der Jenzig bei Jena im Mittelalter                             

Matthias Rupp, Dipl. Mus., Jena (Mit freundlicher Genehmigung des Autors veröffentlicht)

Die guten Verteidigungsmöglichkeiten, die der Jenzig mit seinen steilabfallenden Hängen bot, waren von der späten Jungsteinzeit bis in die Latènezeit von Menschen genutzt worden. Heute noch teilweise erkennbare Rand- und Abschnittsbefestigungen aus Steintrockenmauern mit Holzkonstruktionen entstanden in der Urnenfelderbronzezeit (ca. 1000 v. Chr.)

Nachdem Germanen im 1. Jahrhundert v. Chr. kurzzeitig den Jenzig aufsuchten, liegen bis in das Mittelalter keine Hinweise auf eine weitere Besiedlung des Höhenzuges vor.

Erst für das 10. Jh. n. Chr. verweisen vier Scherben mittelslawischer Keramik auf die erneute Anwesenheit von Menschen auf dem Jenzig. Aus diesen wenigen Funden ist wohl kaum auf eine längerfristige Besiedlung oder Weiternutzung der alten Wehranlage als Fluchtburg auf dem Höhenrücken zu schließen. Die vereinzelten Gefäßreste belegen lediglich, dass der Jenzig in dieser Zeit gelegentlich von den Bewohnern der umliegenden slawischen Talsiedlungen aufgesucht wurde.

Im 12. Jh. tritt der Jenzig in das Licht der schriftlichen Überlieferung. Als Kaiser Friedrich 1. Barbarossa einen Teil seiner sächsischen Reichsgüter an den Herzog von Sachsen, Heinrich den Löwen verlieh, erhob er als Ausgleich am 1. Januar 1158 einige seiner Eigengüter zu Reichsbesitz. Zu diesen Gütern gehörte auch der Berg Jenzig (montem genzege), den der Kaiser aus dem Besitz des Grafen Rapoto von Abenberg erworben hatte (Urkunden-Kopie liegt im Archiv der Jenzig-Gesellschaft vor).

Wahrscheinlich erhielt dieser den Jenzig aus dem Erbteil seiner Frau Mathilde, deren Mutter Bertha von Groitzsch den Grafen Dedo von Wettin geheiratet und den Jenzig vermutlich aus Groitzscher Besitz in die Familie eingebracht hatte. Die ausdrückliche Nennung des Berges Jenzig in der Urkunde von 1158 lässt vermuten, dass der Wert der Besitzung weniger in der strategischen Lage als in der wirtschaftlichen Bedeutung gesehen wurde. Dies widerspiegelt sich auch in einer Urkunde vom 1185.

Am 6. Juni jenes Jahres überließ Otto, Markgraf von Meißen dem Kloster Altzella (bei Nossen)den Zehnten von Weinbergen in Camburg und am Berge Jenzig. Im Jahre 1196 schenkte auch der Graf Dietrich von Weißenfels dem Kloster Altzella die Zehnten von seinen Weinbergen in Camburg, am Jenzig, in Kirchberg und Eisenberg. Diese Besitzungen und besonders die Zehnten von den Weinbergen bestätigte Papst lnnocenz IV. noch 1245 dem Kloster.

Bereits 1237 überließ Bischof Engelhard von Naumburg den Zehnten von ihm bereits gehören-den und noch anzulegenden Weinbergen am Jenzig dem Kloster Kapellendorf. Die Nennungen belegen, dass Weinlagen am Jenzig bereits in dieser Zeit zum begehrten Gut adeliger Grundherren geworden waren, die sich durch die Vergabe von Weinland an kirchliche Institutionen ihr Seelenheil sichern wollten.

Mit der Gründung der Stadt Jena traten neben die adeligen Spender zunehmend Angehörige der Jenaer Bürgerschaft als Besitzer von Weinbergen. So bestätigten im Jahre 1259 die Burggrafen Dietrich der Ältere und Dietrich der Jüngere von Kirchberg ihrem Hauskloster Kapellendorf seine Besitzungen, darunter auch Zinsen Jenaer Einwohner von Weinbergen am Jenzig. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt Jena im 14. Jh. entwickelte sich der Weinanbau zu einer der bedeutendsten Erwerbsgrundlagen der Stadt. Der Jenzig gehörte dabei ohne Zweifel zu den besten Standorten. Die gesamte Süd- und Nordseite waren bis in die Steillagen mit Weinpflan-zungen überzogen. Möglicherweise steht auch der Fund eines hochmittelalterlichen Messers auf dem Höhenrücken mit dem Weinbau in Zusammenhang.

 

Der Jenzig mit seinen Weinbergen...

1903_Jenzigblick

                                                

3. Historische Vorbetrachtungen zum Jenzig

Recherche von Wolfgang Eifler

Ehe wir uns dem Wirken der am 16.05.1903 gegründeten Jenzig-Gesellschaft zuwenden, sollten auch zunächst vielleicht etwas die kulturhistorischen Erkenntnisse über den Jenzig beleuchtet werden. Dabei möchte ich mich stützen auf einen Artikel des Herrn Matthias Rupp, Jena: „Der Jenzig bei Jena im Mittelalter“ und des Privat-Dozenten, Herrn Dr. phil. habil. Sven Ostritz, Bad Sulza: „Der Jenzig bei Jena in prähistorischer Zeit“.

„Die prähistorische Nutzung oder Besiedlung des Jenzig steht in engem Zusammenhang mit seiner landschaftlichen Ausformung und geographischen Lage. Obwohl es sich beim Jenzig streng genommen nicht um eine Erhebung sondern um einen Sporn handelt, der von der östlich an das Saaletal anschliessenden Hochebene in dieses hineinragt, wirkt er vom Tale aus gesehen wie ein „Berg“ und wird auch in vergleichbarer Weise genutzt.

Dies gilt sowohl für seine natürliche Schutzlage als auch für seine „beherrschende Stellung“ über dem Saaletal und seine hervorgehobene, gleichsam „repräsentative“ Landschaftsposition. Großräumig betrachtet liegt der Jenzig in einer Zone, die über viele Perioden der Ur- und Frühgeschichte hinweg als Kontaktgebiet, vor allem zwischen Nord und Süd gelten muss.

Bereits in der ausgehenden Jungsteinzeit lässt sich eine Nutzung des Jenzig‘s nachweisen. Das Fundmaterial zeigt vielfältige kulturelle Beziehungen in alle Richtungen, ohne das es sich einer bestimmten archäologischen Kultur zuweisen liesse. Diese Situation ist aber für den Nordrand der Mittelgebirge in Thüringen in dieser Zeit typisch. Danach wurde der Jenzig längere Zeit nicht besiedelt, bis wir aus der späten Bronzezeit, speziell der sogenannten mittleren Urnenfelderzeit, erneut einen Fundniederschlag registrieren können. Dabei handelt es sich um den grössten Teil der auf dem Jenzig gemachten prähistorischen Funde. Einige Befunde lassen darauf schliessen, dass es sich dabei um eine befestigte Höhensiedlung gehandelt hat. Die Funktion dieser befestigten Höhensiedlungen in der ausgehenden Bronzezeit ist bisher nicht letztgültig geklärt, da von den zumeist grossen lnnenflächen in der Regel nur ein ganz kleiner Teil ausgegraben worden ist. Dennoch nimmt man an, dass es sich vorwiegend um „Fluchtburgen“ für die Bevölkerung der umliegenden Dörfer gehandelt hat und weniger um repräsentative Wohnsitze für herausgehobene Persönlichkeiten o.ä.

Einen solchen Charakter mag wohl auch die befestigte Höhensiedlung auf dem Jenzig gehabt haben. Jedenfalls spricht manches für eine solche Interpretation. Bemerkungen Friedrich Klopfleisch`s, des Begründers der Urgeschichtsforschung an der Uni Jena, über rotgebrannte, z.T. verschlackte Steine und verkohlte Hölzer im Befestigungswall der Höhensiedlung legen zumindest die Vermutung nahe, dass diese tatsächlich der Verteidigung diente und womöglich im Zuge einer kriegerischen Auseinandersetzung zugrunde ging. Funde aus späteren Zeiten sind auf dem Jenzig rar. Aus der späten Laténezeit gibt es noch vereinzelte Hinweise auf eine germanische Begehung des Plateaus, als Siedlungsniederschlag sind sie wohl nicht zu werten. Auch aus dem Mittelalter und der slawischen Periode gibt es vereinzelte Funde, ohne dass sich diese mit einer ausgeprägten Siedlungstätigkeit verbinden ließen.“

„Erst für das 10. Jh. n. Chr. verweisen vier Scherben mittelslawischer Keramik auf die erneute Anwesenheit von Menschen auf dem Jenzig. Aus diesen wenigen Funden ist wohl kaum auf eine längerfristige Besiedlung oder Weiternutzung der alten Wehranlage als Fluchtburg auf dem Höhenrücken zu schliessen. Die vereinzelten Gefäßreste belegen lediglich, dass der Jenzig in dieser Zeit gelegentlich von den Bewohnern der umliegenden slawischen Talsiedlungen aufgesucht wurde“.

Im 12. Jh. tritt der Jenzig in das Licht der schriftlichen Überlieferung. Als Kaiser Friedrich 1. Barbarossa einen Teil seiner sächsischen Reichsgüter an den Herzog von Sachsen, Heinrich den Löwen, verlieh, erhob er als Ausgleich am 1. Januar 1158 einige seiner Eigengüter zu Reichsbesitz. Zu diesen Gütern gehörte auch der Berg Jenzig, den der Kaiser aus dem Besitz des Grafen Rapoto von Abenberg erworben hatte. Wahrscheinlich erhielt dieser den Jenzig aus dem Erbteil seiner Frau Mathilde, deren Mutter Bertha von Groitzsch den Grafen Dedo von Wettin geheiratet und den Jenzig vermutlich aus Groitzscher Besitz in die Familie eingebracht hatte. Die ausdrückliche Nennung des Berges Jenzig in der Urkunde von 1158 lässt vermuten, dass der Wert der Besitzung weniger in der strategischen Lage als in der wirtschaftlichen Bedeutung ge-sehen wurde. Dies widerspiegelt sich auch in einer Urkunde vom 1185.

(Diese Urkunde wurde von der Jenzig-Gesellschaft im Jahr 2007 vom Staatsarchiv Wolfenbüttel erworben und wird nun in unserem Archiv aufbewahrt)

Am 6. Juni jenes Jahres überließ Otto, Markgraf von Meißen, dem Kloster Altzella (bei Nossen) den Zehnten von Weinbergen in Camburg und am Berge Jenzig. Im Jahre 1196 schenkte auch der Graf Dietrich von Weißenfels dem Kloster Altzella die Zehnten von seinen Weinbergen in Camburg, am Jenzig, in Kirchberg und Eisenberg. Diese Besitzungen und besonders die Zehnten von den Weinbergen bestätigte Papst lnnocenz IV. noch 1245 dem Kloster. Bereits 1237 überließ Bischof Engelhard von Naumburg den Zehnten von ihm bereits gehörenden und noch anzulegenden Weinbergen am Jenzig dem Kloster Kapellendorf. Die Nennungen belegen, dass Weinlagen am Jenzig bereits in dieser Zeit zum begehrten Gut adeliger Grundherren geworden waren, die sich durch die Vergabe von Weinland an kirchliche Institutionen ihr Seelenheil sichern wollten. Mit der Gründung der Stadt Jena traten neben die adeligen Spender zunehmend Angehörige der Jenaer Bürgerschaft als Besitzer von Weinbergen.

So bestätigten im Jahre 1259 die Burggrafen Dietrich der Ältere und Dietrich der Jüngere von Kirchberg ihrem Hauskloster Kapellendorf seine Besitzungen, darunter auch Zinsen Jenaer Ein-wohner von Weinbergen am Jenzig. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt Jena im 14. Jh. entwickelte sich der Weinanbau zu einer der bedeutendsten Erwerbsgrundlagen der Stadt. Der Jenzig gehörte dabei ohne Zweifel zu den besten Standorten. Die gesamte Süd- und Nordseite waren bis in die Steillagen mit Weinpflanzungen überzogen. Möglicherweise steht auch der Fund eines hochmittelalterlichen Messers auf dem Höhenrücken mit dem Weinbau in Zusammenhang.“

Land- und Gemeindegrenzen wechselten im Laufe der Zeiten, wechseln auch heute. In den letzten Jahrhunderten bis Herbst 1909 lag die untere Jenzigkuppe mit einem Teil des vorderen Plateaus im Flurbezirk des Jenaer Vorortes Wenigenjena, seit dessen Eingemeindung gehört das genannte Gelände zur Stadt Jena. Der hinten nach Osten zu liegende Jenzigteil, dessen Fortsetzung in einem hufeisenförmigen Bogen in dem Gleisberg und dem Schlossberg mit der Kunitzburg-Ruine endet, gehörte bis Herbst 1922 zu den Flurbezirken Kunitz, Jenaprießnitz, Wogau und Großlöbichau. Im Herbst 1922 kam auch der Kunitzer Teil zur Stadt Jena.

Am Nordhang, östlich vom jetzigen Schloß Talstein, lag vor Jahrhunderten eine Siedlung We-nigenkunitz, welche jedoch im Laufe ferner Zeiten verschwunden ist, ebenso wie das im Gembdental gerade gegenüber dem vorderen Jenzig am Hausberg gelegene ehemalige Schle-hendorf.

Noch in den Jahren 1880/90, als die Stadt Jena und ihre Umgebung kaum ein Viertel der Ein-wohnerzahl von 1920 hatte, lag der Berg noch ziemlich einsam und den Wohnstätten der Menschen ferner.

Schon vom Schlippengarten, dem heutigen Spielplatze, fehlte noch um die Jahrhundertwende ein guter gangbarer Weg nach dem Jenzig. Man musste mit einem ungepflegten Feldwege vorlieb nehmen. Noch schlechter sah es mit den Wegen am Jenzig selbst aus. Wohl hatte man Jahre vorher einen schmalen Zick-Zack-Weg am Berg lang nach oben angelegt Aber dieser schmale Weg führte nur von der halben Berghöhe nach oben. Unterhalb, bis zur selben Höhe musste der Wanderer sehen, wie er durch kam. Nicht allzu häufig und nur vereinzelt nahmen daher Naturfreunde den recht beschwerlichen Aufstieg auf die noch kahle Bergkuppe in Angriff...

 

4. Die Herren von Schloss Talstein

aus: Stadtmagazin Nr. 04/2009

 

Kennen Sie das „Schloss“ Talstein am Fusse des Jenzigs – obwohl es eigentlich keines ist? Hier war der letzte deutsche Kaiser wie auch die DDR-Fussballnationalelf zu Gast, als es noch repräsentativ und bewirtschaftet war. Heute bietet es leider keinen sehenswerten Anblick mehr, es ist verfallen wegen vielfach wechselnder und für den Bürger undurchsichtiger Besitzverhältnisse nach der Wende 1999/2000!

 

Doch für uns Jenziger interessant ist eigentlich ein kleines Bauwerk auf dem nördlichen Bergplateau, welches mit dem Familienwappen derer von Tümpling versehen ist. Um dieses kleine unscheinbare aber massive Bauwerk ranken einige Gerüchte. War es nur als Schutzhütte gedacht oder war es ein „Hundegrab“? Auf einer Steintafel kann man lesen „Cäsar hier begraben lag“. War Cäsar ein Jagdhund der Tümplings? Oder haben Studenten Ihrem Geschichtsprofessor Klopffleisch einen Streich gespielt? Dieser hatte auf dem Jenzigplateau Archäologe innerhalb der ehemaligen Wallburganlage gebuddelt. Studenten „bastelten" ein Hünengrab und teilten dessen „Entdeckung“ ihrem aufgeregten Professor mit. Dieser grub nun verstärkt im Erdreich und unter großem Publi-kumsanteil brachte er schließlich einen großen Bierkrug zutage mit der Aufschrift „Julius Cäsar liebt seinen Klopffleisch“...

 

  Wappen derer zu Tümpling

 

Zustand Oktober 2011: