Jenzig-Gesellschaft e.V.

 
 
 
 

Die Vereinsgründung

Am rechten Ufer der Saale, unmittelbar an der Camsdorfer Brücke, stand, heute vielleicht nur noch sehr alten Zeitgenossen in Erinnerung, eine alte Gaststätte, das Geleitshaus. In früheren Jahrhunderten liessen sich Kaufleute und Reisende an dieser Stelle sicheres Geleit gegen Überfälle durch Ritter und Räuber geben. Das Haus musste leider 1910 dem Neubau der Camsdorfer Brücke weichen.

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Ansicht um 1900 - Blick auf den Jenzig, im Vordergrund die Camsdorfer Brücke mit dem alten Geleitshaus, dem Grün-dungsort der Jenzig-Gesellschaft am 16.5.1903

 

In der traulichen Gaststube dieses alten Geleitshauses saßen, wie so oft, auch eines Frühlingsabends - es war der 5. Mai 1903 - Bürger Wenigenjenas am „Runden Tische“ bei einem Glase kräftigen Ehringsdorfer Bieres, und man redete in der Tischrunde von den Bergen um Jena und wie schön es auf ihnen sei. Insbesondere der Ausblick vom Jenzig wurde in lebhafter Weise hervorgehoben, gleichzeitig aber auch bedauert, dass oben eine Rastgelegenheit, wie sie auf anderen Bergen vorhanden sei, fehle. So wurde der Gedanke laut, der grosse Früchte trug, zu diesem Zwecke doch eine Gesellschaft zu gründen, die in Anlehnung an die üblichen Bezeichnungen der anderen Berggesellschaften „Jenzig-Gesellschaft zu Wenigenjena a. Saale“ führen sollte. Alle Anwesenden der Tischrunde stimmten freudig ein und erörterten den Plan rege weiter.

Das Ziel dieser Naturfreunde war es, den höchsten Berg der näheren Umgebung, den Jenzig, dem Verkehr mehr zu erschliessen und zu diesem Zwecke ein Schutzhaus und sonstige wünschenswerte Baulichkeiten pp. auf demselben zu errichten, sowie die bestehende Zugangs-wege zu verbessern und neue Wege und Anpflanzungen zu schaffen. Die Gesellschaft bezweckt ferner auch die Hebung des geselligen Verkehrs ihrer Mitglieder.

Diese eben genannte Gruppe von Männern schloss sich mit weiteren 50 Interessenten am 09. Mai 1903 zusammen, erarbeitete ein Statut und bildete einen provisorischen Vorstand.

Er bestand aus 9 Personen:
 1.Vorsitzender Herr Kantor Sorge
 2.Vorsitzender Herr Bürgermeister Lehmann von Wenigenjena

Die weiteren Vorstandsmitglieder waren:
-Herr Zimmermeister Bernhard Schlag
-Herr Kaufmann Otto Schiller
-Freigutsbesitzer Gustav Zipfel
-Herr Optiker Hugo Wagner
-Herr Bildhauer Johann Bressem
-Herr Joseph Richter
-Herr Maurermeister Steinmetz

Die Gründungsversammlung der Jenzig-Gesellschaft fand am 16. Mai 1903 in der "Grünen Tanne" statt, in der der gesamte Vorstand mit 15 Mitgliedern endgültig gewählt wurde, am 25. Mai dann erst geschäftsführende Vorstand in einer Gesamtvorstandssitzung. Er bestand aus:

 1. Vorsitzender: Herr Bürgermeister Lehmann
 2. Vorsitzender: Herr Kantor Sorge
 1. Schriftführer: Herr Steinmetz
 2. Schriftführer: Herr Eismann
 1. Kassierer:      Herr Schiller
 2. Kassierer:      Herr Ranft

Wie weitblickend diese, unsere Altvorderen, bereits waren und welch tiefes Empfinden sie für ein schönes Fleckchen Heimat aufbrachten, kann nur ermessen, wer einmal bei Sonnenaufgang auf dem Jenzig gestanden und den einzigartigen Blick genossen hat, das Saaletal hinauf und hinunter, in das Gemdental hinein und zu den Nachbarhöhen hinüber. Man muß die wunderbare Feier eines Abendanstieges im Winter erlebt haben mit dem vieltausendfach Lichtermeer der unten ausgebreiteten Stadt, das mit dem klaren Sternenhimmel wetteifert, ebenso, wie einen spätabendlichen Abstieg an einem lauen Maienabend, umgeben vom Duft blühenden Flieders und frischem Grün, begleitet vom Gesang der Nachtigallen, man muß die befreienden Ausblicke zum Jenziggipfel erfahren haben, die sich von zahllosen Blickpunkten immer wieder so reizvoll darbieten. Hier ist wirklich ein Schatz Thüringer Landschaft zu heben und hegen gewesen! Der Jenzig stellte und stellt seinen Freunden eine einzigartig schöne Aufgabe der Heimatpflege. Es begann sofort nach der Gründung der Jenzig-Gesellschaft eine emsige Tätigkeit am und auf dem Berg...

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Blick auf den Jenzig ca. 1900