Jenzig-Gesellschaft e.V.

 
 
 
 

Das Jenzighaus

Das "Jenzighaus" wird zum regelmässigen Treffpunkt (1905-1920)

Der “Jenzig-Stern“ konnte nun fortfallen. Während der Zeit nämlich, da die Gastwirtschaft noch im Erdgeschoss war, hing der Wirt abends‚ zum Zeichen, dass Besucher oben zu finden seien, immer eine brennende Laterne vorn auf die Kuppe. Und diese leuchete weit ins Tal, sie erhielt scherzhaft den Namen „Jenzig-Stern“, da unten mancher das Licht für einen Stern hielt. Jetzt, nachdem der Aufbau bezogen, war das Licht in dem großen Gastzimmer unten in der Stadt sichtbar und die Laterne auf der Kuppe erübrigte sich.

Hinweis: Anläßlich des 100. Gründungstages der Jenzig-Gesellschaft am 16.05.2003, wurde  auf Initiative von Wolfgang Eifler wieder ein moderner, an die Terrassenbeleuchtung angeschlossener, „Jenzig-Stern“ auf der Kuppe des Jenzigs zum Leuchten gebracht.

Das Jahr 1905 brachte der Gesellschaft aber noch weiteres. Beipielsweise ein Arealaustausch mit der Gemeinde Wenigenjena brachte der Gesellschaft Gelände am Nordhang, während die Kuppe in den Besitz der Gemeinde zurückging. Es wurde eifrig weiter gesportet (Synonym für Arbeitseinsätze)‚ namentlich an dem unteren Zick-Zack-Weg neben und über der damaligen Kirschplantage am Fusse des Berges. Am 20. Mai 1906 wurde oben das dritte Stiftungsfest mit sehr reger Beteiligung aller Bevölkerungsschichten gefeiert. Wie sagte damals ein Vorstands-mitglied:

„Das Schiff hatte nach Fertigstellung die Halling verlassen
und fuhr nach Vervollständigung der Einrichtung flott auf den blauen Wogen!“

Mancher sagte auch: „ Der Reiter war fest im Sattel und das Pferd lief!“

Die Gesellschaft war auch in den folgenden Jahren ihren Bestrebungen treu geblieben. Es wurde stetig Neues geschaffen und Bestehendes verbessert. Die Stiftungen von Ruhebänken mehrten sich.

Für den Stand eines von der Weltfirma C. Zeiss freundlichst leihweise überlassenen großen Fernrohres wurden entsprechende Einrichtungen getroffen und die Wegearbeitenjährlich bis Eintritt von Schnee und Eis fortgesetzt, ja manchmal auch Schnee von den Wegen geschaufelt, soweit der Wirt dies nicht allein schaffte

Da die April- und Novemberstürme die Besucher des Jenzighauses oft noch stark umbrausten und man sich manchmal oben und auf den Wegen um die „Nase“ festhalten musste, entstand der Plan zu dem Fußweg, der gleich vom Schutzhause östlich herunter zum Fahrweg führt. Nach Fertigstellung erhielt er den Namen „Sturmweg“ Er hat aber gerade den entgegenge-setzten Zweck, denn auf ihm und dem Fahrweg geht man bei stürmischem Wetter sturmge-schützter ins Tal. Auch der vom Schutzhaus am Nordhang entlang führende Weg wurde bis zu seiner Einmündung in den „Talstein-Zick-Zack-Weg“ neu angelegt. Die Wege bis nach der Kunitzburg, nach Löberschütz, Wogau u.s.w., erhielten ihre Wegetafeln. Am Zick-Zack-Weg oberhalb der Kirschplantage wurde eine überdachte Schutzlaube aufgestellt für den Fall, dass den Wanderer beim Aufstieg starker Regen überraschte...

Inzwischen waren auch die Wege am unteren Jenzig stark verbreitert und verbessert.

Es führten nunmehr vom Gembdenbache aus unten zwei breite Fahrwege und zwischen ihnen der breite, aber steile Fußweg bis zur Abzweigung des untersten Zick-Zack-Weges. Die vorgesehenen zwei Fahrwege einigten sich dann in dem neu angelegten Jenzig-Fahrweg, der bis nach oben auf das Plateau führt. Etwas oberhalb des Gembdenbaches zweigt auch ein weiterer Weg ab, der am unteren Nordhang entlang durch den Talsteinforst nach dem Talstein-Zick-Zack-Weg führt, dessen Ausbau bzw. Weiterführung bis zum vorderen Plateausich die Gesellschaft angelegen sein ließ. Auch die Gemeinde Wenigenjena hatte bis Herbst 1909 ihre Ortsstraßen gut ausgebaut und auch gute Straßen bis zum Gembdenbache u.s.w. geschaffen.

An Stelle des ersten Jenzig-Wegemeisters, der infolge seiner rastlosen Tätigkeit bald den Eh-rentitel „Oberwegemeister“ erhielt, wurde ein weiteres eifriges, liebes Mitglied „Wegemeister“, ein Titel, der auch noch heute vergeben wird.

Das Schutzhaus erhielt 1908 einen Anbau, welcher neben einem besseren Schutz des Eingangs auch gleichzeitig einen neuen weiteren Aufenthaltsraum brachte. Die Abortanlage wurde in das Gebäude neben den neuen Eingang gelegt. Ein weiterer Anbau entstand in einem kleineren bedachten Rostbratwurststand. Der Platz vor dem Hause und dem einige Jahre vorher angeleg-ten vorderen großen Wasserbassin wurde instand gesetzt und angepflanzt. Das Mobiliar erhielt dauernd Ergänzungen, z. T. auch durch Stiftungen der Mitglieder. Das Telefon zog oben ein, ein Briefkasten der Hauptpost hing bald an dem Hause, der Wanderweg wurde durch weitere Anpflanzungen gesichert.

Schöne Stunden brachten auch die jährlich wiederkehrenden Sonnenwendfeiern an denen sich außer Gesellschaftsmitgliedern ein großer Teil der Einwohnerschaft regelmäßig beteiligte. Bevor das Bergfeuer auf der Kuppe angezündet wurde, versammelten sich schon vom Nachmittag ab oben hunderte von Erwachsenen und Kindern.

Je näher der Abend rückte, je größer wurde die Besucherzahl. Oft war oben im und am Hause alles gedrängt voll Menschen das Jenzigfeuer loderte dann auf der Kuppe hell auf, weit in das Land hinaus sichtbar Noch lange vor dem Löschen der großen Flamme sonderte sich von dieser der Fackelzug ab, welcher dem Laufe des Zick-Zack-Weges folgte. Der Anblick war auch immer sehr reizvoll. An den Fackelzügen, die oft die ganze Länge aller Zick-Zack-Wege von der Kuppe bis ins Tal einnahmen, beteiligten sich in der Regel u.a. auch Studenten, Verbindungen, Turner u.s.w. in geschlossenen Gruppen. Die Sonnenwendfeier am 24. Juni 1906 hatte leider einen Zwischenfall. Ein braves Mitglied, ein Schlossermeister, hatte eine kleine Kanone“ gebaut. Und damit ballerte er oben lustig los. Und es knallte laut in die Täler hinein diesem und jenem Zu-schauer aber noch nicht laut genug. Unsachgemäße Hände versorgten das Rohr immer stärker und dichteten die Mündung immer fester ab und das Unglück war bald da. Die Kanone, der Stolz des Meisters, der aber an dem unsachgemäßen Laden unschuldig war, zersprang. Ein Stück des Rohres flog leider einem dahinter stehenden Zuschauer so heftig an den Arm, dass dieser brach. Andere Umstehende kamen mit ganz leichten Verletzungen oder mit dem Schrecken davon. Der Bruch ist längst wieder verheilt, aber mit einer „Kanone“ ist dann oben nicht wieder geschossen worden.

Nachdem das Jenzighaus im Jahre 1908 in den wesentlichen Teilen fertig war und die Wander- und Anfuhrwege angelegt waren, muß etwas Zeit bleiben zum Schwärmen, vielleicht auch wegen des zum Wandern anregenden Frühjahrs. Der lebensfrohe und Geselligkeit liebende Wanderer, oder derjenige, welcher nicht viel Zeit zum Weiterwandern hat, findet oben auf der Kuppe am und im Jenzighause schon den Aufstieg herrlich belohnt. Auch all die vielen Menschen, welche vom Aufstiege schon etwas müde geworden sind, bleiben lieber vorn auf der Kuppe oder im Hause und genießen von dort aus die herrliche Aussicht, die sich ihren Blicken seitwärts und unten bietet. Treffend hat der reichlichst bekannte Thüringer Dichter und Schriftsteller Thieme im April 1906 oben in unser Stammbuch geschrieben:

„Von des Jenzigs steiler Höhe blick ich in das weite Land.
Durch die frühlingsgrünen Auen zieht der Saale Silberband.
Waldumgrenzte Berge streben stolz empor an ihrem Strand.
Alte Burgruinen grüßen von gezackter Schluchtenwand.
Auf den Bergen wohnt die Freiheit,
wohnt des Herzens Fried‘ und Lust!
Mächtig auf zum blauen Äther schwellt die stolzerfüllte Brust!
Heil‘ge Andacht füllt die Seele und sie betet unbewusst.
Lenzestrunk`ne Lerchen jauchzen in der blauen Himmelsluft.
O mein Jena, vor mir liegst du wunderbar in bunter Pracht
Und ich fühle deiner Reize deiner Schönheit ganze Macht!
Wie im Morgensonnenglanze mir dein strahlend Antlitz lacht!
Du mein Jena, dich verehr‘ ich solang noch mein Auge wacht!“

 

Der Anblick von der Kuppe, wie auch aus den Fenstern unseres großen Gastzimmers, ist wirklich erhebend. Wie aus Spielzeugschachteln hingebaut, liegen die Stadt, die Dörfer und die Landschaft unter dem Schauenden und seitwärts. Man hört von unten meistens nur den Schall der fahrenden Züge, sonst ist es - bei ruhigem Wetter - alles still um den Wanderer. Abends flimmert im Tal ein Meer von Lichtern, von oben herrlich anzuschauen. Die goldene Sternen-schrift macht von oben in der klaren Luft einen noch tieferen Eindruck als von unten aus der Stadt gesehen. Sogar wenn Stürme brausen oder Gewitter mit Donnerkrachen und Feuerschwa-den oben den Menschen mahnen, dass er doch nur eine ohnmächtige kleine Schöpfung ist inmitten des Alls, waren dies manchem erhabene Augenblicke. Und erst wenn die Morgensonne scheint und unten und seitwärts Nebelwallen und den Blick begrenzten, dann war der Wanderer mit einem Stück der Kuppe losgelöst von der Erde festem Bau und es war ihm, als ob er auf einem kleinen Stückchen Land allein im Weltall schwimme.

Die meisten Jenzig-Besucher bleiben, wie schon erwähnt, vorn auf der Kuppe oder in unserem Jenzighause. Aber auch, wer weiter und einsam wandern will, dem bietet gerade unser Jenzig auch jetzt noch ein Eldorado, denn nicht weit hinter dem Jenzighause ist der Wanderer meistens einsam, es sei denn an schönen Sonntagnachmittagen, wo auch der Weg am Südrand des Plateaus viel begangen wird.

Und es wandert sich hier auf dem Plateau so herrlich! Immer am Südrand entlang, mit wun-derbarem Ausblick auf das Gembdental, führt vom Jenzighause aus ein Weg nach Osten. Von demselben zweigt nach weniger Wanderzeit zuerst ein Weg nach Kunitz und Laasan und später rechts ein Weg nach Wogau ab und dann führen weiter hinten verschiedene Wege nach unten. Schon in kurzer Zeit nach Beginn der Wanderung vom Jenzighaus ab gelangt man auf dem Wege am Südrand auf die höchste Erhebung des Jenigs, die u. a. auch einen herrlichen Rück-blick auf das tiefer liegende Jenzighaus und dessen Umgebung bietet. Der Weg führt dann im-mer weiter durch grünen Wald bis zum anderen Ende des „Hufeisens“ das von den Ruinen der Kunitzburg gekrönt ist. Auf den verschiedenen Seitenwegen gelangt man nach unten zu den umliegenden Dörfern. Man kann auf der Höhe stundenlang durch herrlichen Wald wandern und auf fast immer ebenen Wegen. Auch für den hinteren Teil des Jenzigs gilt der im Jenzighaus hängende Spruch:

"O wunderschön ist Gottes Erde und wert darauf vergnügt zu sein. Drum will ich, bis ich zur Asche werde, mich dieser schönen Erd`erfreu‘n!“

Und froh waren immer die meisten Menschen, die nach oben wanderten - zumindest bis Ende 1914.

Der 1. Weltkrieg begann. Ganz erstarrte das Leben oben auf unserer Höhe jedoch nicht, obwohl immer mehr Jenziger hinauszogen und den jüngeren auch bald ältere folgten. Besucher kamen immer noch nach oben, wenn auch nicht mit dem alten Frohsinn von früher. Bald hieß es, dass dieses, bald jenes treue Gesellschaftsmitglied oder dieser und jener treue Freund oder liebe Angehörige verwundet, oder gar gefallen sei. Die zurückgebliebenen Gesellschaftsmitglieder und Jenzigfreunde kamen jedoch weiter gern auf den Jenzig. Auch wurden hin und wieder sonnabends, wo die Besucherzahl immer etwas größer war, noch manchmal Lieder gesungen.

Im Gästebuch des Jenzighauses von 1916 ist zu entnehmen, dass am 2.Osterfeiertag 1916 der SPD-Funktionär und Abgeordnete des Deutschen Reichstages Berlin, Karl Liebknecht als Mitorganisator der Osterkonferenz im Jenzighaus weilte. Zugegen waren einige Soldaten, die vergnügliche Stunden bei Bier und Skat verbrachten. Liebknecht kam mit Ihnen ins Gespräch und schrieb im Anschluss in das Gästebuch:                                                                "So! so!, Sie wollen ins Feld!"

Darauf antworteten die Soldaten:  "Nein, nein, nur auf Urlaub!" 

                                                                (Eintrag ins Gästebuch 2.Osterfeiertag 1916)                  

Diese Notiz ist uns erhalten geblieben, wurde auch im 2013 von der Jenzig-Gesellschaft  herausgegebenen Buch "Der Jenzig und seine Berggesellschaft" Seite 171 widergegeben.      An dieser Stelle gebührt den Wirtsleuten von 1990-2010 Wolfgang und Jörg Weber besonderer Dank. Die Gästebücher lagen bei ihrem Pachtbeginn vor dem Heizofen, einige waren bereits von den Vorpächtern der HO-Gaststätten verbrannt worden! Die Webers bewahrten also über 10 Bücher vor den Flammen und übergaben diese nach Beendigung ihrer Pachtzeit 2010 dem damaligen Vorsitzenden zur Verwahrung im Archiv der Jenzig-Gesellschaft.

An Stelle der früheren frohsinnlichen erklangen aber meistens ernstere Weisen. Auch in den Kriegsjahren wurden Wegearbeiten ausgeführt, Bestehendes erhalten und verbessert. So erhielt ein langer Teil des oberen Zick-Zack-Weges und dessen vorn an der „Nase“ gelegene „Wende“ eisernes Geländer. Ein geplanter „Fackelweg“, welcher gleich vorn südlich neben der Kuppe anfangend, eine kürzere, wenn auch steilere Anbindung mit dem darunter liegenden oberen Zick-Zack-Weg herbeiführen sollte, konnte trotz des schon begonnenen Anfangs wegen des Fehlens der für das Felsgestein nötigen kräftigen Sporter, die im Krieg waren - leider nicht durchgeführt werden. Er hätte also denen, die nicht schnell genug nach oben kommen konnten, wesentliche Wegeverkürzung gebracht. Die Zahl der Gesellschaftsmitglieder ging in der zweiten Hälfte der Kriegszeit ein wenig zurück, hielt sich dann aber immer auf etwa über sechshundert. Auch unser Jenzigwirt war einer der ersten, der hinaus musste, doch die Frau Wirtin führte die Wirtschaft tapfer weiter, zeitweise auch unter recht schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen.

Nach dem Krieg nahmen der Besuch des Jenzigs und des Jenzighauses wieder ständig zu. Auf eine ganz kurze Zeitspanne Anfang 1919 schien es zwar, als solle auch die leidige Politik bei der Gesellschaft einziehen, doch diese Phase wurde schnell überwunden und nach wie vor fanden sich Menschen aller Parteirichtungen oben friedlich zusammen, um für den Jenzig zu wirken. Möge das immer so bleiben und Parteihader nie bei der Gesellschaft Einzug halten.


Froehliche_Gemeinschaft_vor_Jenzighaus Fröhliche Gesellschaft um 1920