Jenzig-Gesellschaft e.V.

 
 
 
 

Die Berg-Erschließung

Die Erschließung des Berges und der Bau des Jenzighauses

„... was im Geleitshause begonnen, hatte gut Geleit!“

Aus allen Kreisen der Jenaer und Wenigenjenaer Bevölkerung wurden der jungen Gesellschaft grosse Sympathien entgegengebracht. Also auch von weiter her fanden sich schon einige Interessenten.

Das erste Gartenfest der Jenzig-Gesellschaft wurde am 29. Juni 1903 in der "Terrasse" (heute Karl-Liebknecht-Str.28, ehem. Tankstelle) abgehalten, es wurde zu einem Volksfest in Weni-genjena und der Erlös zum ersten, wenn auch bescheidenen, finanziellen Grundstock für das in Angriff zu nehmende grosse Werk. Denn bereits am 29.08.1903 erwarb die Jenzig-Gesellschaft das erste Grundstück auf dem Jenzigberg, es betrug 2400 qm - bei einem Mitgliederstand von bereits 274 Personen.

Am 20. 11.1903 wurde das 400. Mitglied feierlich aufgenommen. Bisher diente auf dem Jenzig eine einfache Schutzhütte als provisorische Unterkunft und Regenschutz.

Nach dem Terrassenfeste ging es aber auch mit Tatendrang an die praktische Arbeit. Mitglieder der Gesellschaft machten sich zunächst mit Hacke und Schaufel an die Ausbesserung der arg aussehenden wenigen Wege. Hier und dort konnte schon eine von Mitgliedern gestiftete Bank aufgestellt werden. Einzelne Mitglieder fanden sich schon abends unter der Kuppe zusammen, später immer mehr. Aber um oben auf dem Plateau etwas größeres unternehmen zu können, fehlte es an einem Fahrwege, was beim Heranschaffen von Geräten und Erfrischungen schon deutlich wurde. Bisher war es nur auf den, über Wogau oder Kunitz führenden schlechten Holzwegen möglich, mit Wagen nach oben zu kommen.

Kurzentschlossen einigte sich der Vorstand, einen Fahrweg nach oben zu bauen. Derselbe sollte seinen unteren Anfang von der alten, vom Gembdenbache aufwärts führenden, damals ganz schmalen Jenzighohle, nehmen. Da diese alte Hohle schon querab der jetzigen Kirschplantage in einem alten Fußweg verlief, der anfangs höchstens auch mit Schiebekarren passiert werden konnte, musste auch an die starke Verbreiterung dieses letzteren Fußweges gedacht werden. Außerdem waren aber auch Erdplanierungen verschiedener unregelmässiger und starker Steigungen dieser alten Wege nötig. Dem alten schmalen Fußweg konnte man dann teilweise bis etwa querab der Gembdenmühle folgen. Dort musste eine größere Wende angelegt und ein ganz neuer Weg in hartem Gestein und zähem Geröll bis zur Kuppe und dann um diese herum nach dem Plateau geführt werden, in der letzten kurzen Strecke allerdings unter Mitbenutzung des früheren oberen Zick-Zack-Fußweges, der stark verbreitert werden musste.

Es gab überall grosses Erstaunen ob des Mutes des Vorstandes, aber auch starke Zweifel bezüglich der Durchführung des Projektes, das nach Ansicht aller Sachverständigen sehr schwierig auszuführen war und sehr grosse Mittel erforderte, die nicht vorhanden waren. Der geplante grosse Jenzigweg war tagelang Gesprächsthema bei Mitgliedern und Freunden der Gesellschaft.

Anfang September 1903 erschienen eines Nachmittags etwa ein Dutzend Mitglieder und fingen die neue Wegearbeit an und zwar von der Stelle aus, wo jetzt der Zick-Zack-Weg in den Fahrweg mündet. Mit der Arbeit kam die Lust zu derselben, aber auch die Gewissheit, dass mit wenigen Personen Jahre zur Ausführung des Projektes gebraucht würden, da ja meistens nur einige male in der Woche nach Feierabend gearbeitet werden konnte und im Winter überhaupt nicht. Zum ersten Male erschien Mitte September 1903 in den Jenaer Zeitungen ein Aufruf des Vorstandes an die Mitglieder, sich in grösserer Zahl an den Wegearbeiten zu beteiligen. Der Aufruf wurde in nächster Zeit wiederholt.

Mit der Gemeinde Wenigenjena wurde wegen des Ankaufes von Areal auf dem Jenzig-Plateau verhandelt. Eine für den 28. August 1903 einberufene außerordentliche Generalversammlung stimmte der vorgenannten Angelegenheit zu.

Die Eintragung der Gesellschaft in das Vereinsregister des Amtsgerichts Jena erfolgte nach weiteren Verhandlungen am 16. Oktober 1903. Auch der Ankauf des Areals auf dem Jenzig von der Gemeinde Wenigenjena wurde gerichtlich geregelt. Es handelte sich um das neu vermessene Grundstück Nr.: 904 g von 27 ar und 74 qm Grösse. Der Kaufpreis betrug sehr entgegenkommend nur 50 Mark.

*Die konkreten Baumaßnahmen konnten beginnen...

Es wurde auch gleich eine besondere Baukommission gewählt, die mit dem Vorstand weiteres in Betreff des Hauses beraten sollte. Ein vom Vorstand empfohlener Bauentwurf fand Anerkennung, vorerst sollte aber nur die Ausführung des unteren Geschosses, dem Kellergeschoss erfolgen. Die baupolizeiliche Genehmigung erfolgte‚ trotzdem sich schon einige ausserhalb der Gesellschaft stehende Gegner regten. Bereits am 3. Mai wurde der Bauvertrag mit einem Wenigenjenaer Bauunternehmer geschlossen. Letzterer fing dann gleich mit den Ausschachtungsarbeiten an unter tatkräftiger Mithilfe von Gesellschaftsmitgliedern.

Es musste tief in den Boden hineingeschachtet werden, dabei fand man auch verschiedene ur-alte Knochenreste von Tieren, welche die Annahmen zu bestätigen schienen, dass sich in grauer Vorzeit an dieser Stelle eine Opferstelle befunden habe.

Bereits am 24. Mai 1904, dem dritten Pfingstfeiertage, konnte der Grundstein zum Bau gelegt werden. Dabei natürlich grosse Beteiligung der Mitglieder und ihrer Familien nebst Bekannten. Die provisorische Wirtschaft hatte ihren sehr reichlichen Vorrat schon vor Abend ausverkauft, der neue Weg gestattete aber die bestellte schnelle weitere Zufuhr, so dass man noch lange bis in die Dunkelheit hinein oben auf der Höhe zusammen blieb.

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Die Auffahrt auf die Bergkuppe wird vorbereitet....

 

klingebiel-bild3Und sie kamen, nicht nur an den Sonnabenden, sondern auch an anderen Wochentagen. Und die Arbeit wurde zum Sport. Freizeit und Urlaubszeit vieler Mitglieder wurde mit Sportarbeiten am neuen Jenzigfahrweg vertrieben. Vielfach fehlte dabei auch nicht der Wirt aus dem Geleitshaus mit Erfrischungen. Am Sonntag, dem 4.10.1904, fand sogar schon ein Kommers oben auf dem Plateau statt, bei dem auch Rostbratwürste nicht fehlten. Da die Beteiligung rege war, erfolgte am nächsten Sonntag eine Wiederholung.

 

Die Wegearbeiten schritten rüstig voran. Beim sogenannten "Sporteln" gab es häufig lustige Zwischenfälle. Die grossen und kleinen Blasen in den Händen der mit Hacke und Schaufel weniger vertrauten Herren gaben oft Anlaß zur Heiterkeit. Nach getaner Arbeit und nach kürzerer oder längerer Rast oben an der Hunnenkuppe wurde gemeinschaftlich zu Tal marschiert. Hierbei erklang zum ersten Male die einem Vorstandsmitglied scherzhaft ins Dasein gebrachte Sporthymne:

„Auf dem Jenzig ist es schön, ist es schön, man muss nur selber auf ihn geh`n...!“

 

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Der Bau der Berggaststätte schreitet voran...
Berggaststätte Bau

Festschrift
Tittelblatt der Festschrift zur Einweihung des Jenzighauses am 24. Juli 1904

 

Im Frühjahr 1904 kam zum Schluss der oberste Wegeteil um die Kuppe an die Reihe. Hier wurde das Sporteln immer mehr zur Lust, da mittlerweile schon oben dauernd „etwas zu haben war“, denn bei Eintritt der wärmeren Witterung wurde provisorisch eine primitve Unterkunft für Erfrischungen errichtet und von einem Mitglied verwaltet. Inzwischen war der Weg auch unten vom Gembdenbache ab verbreitert.

Am 7.05.1904 konnte das erste Fuhrwerk den neuen Fahrweg befahren und oben hinter der Kuppe Material absetzen. Der Sportl`weg ist noch heute der wichtigste und beste Weg zum Plateau. Im Frühjahr 1904 wurde dessen seitliche Befestigung begonnen. So manches Mitglied hat dort „seinen Baum“ oder „seine Bäume“ stehen, die dem Wege guten Schutz geben. An den Wege- und Anpflanzungsarbeiten haben sich Mitglieder aller Bevölkerungsschichten beteiligt. Die „Zeissianer“, die „von Schott“, Kaufleute, Gewerbetreibende, Studenten, Landarbeiter, Beamte u.s.w., alle waren immer fröhlich und herzlich zueinander und halfen sich gegenseitig. Ein beim Sporteln besonders eifriges und unverdrossenes liebes Vorstandsmitglied erhielt erstmals den Titel “Jenzig-Wegemeister”. Auch die Gemeinde Wenigenjena hat regen Anteil, da sie zur Verbreiterung der unteren Wegestrecke vom Gembdenbach ab wesentlich beitrug und bei verschiedenen Arealregelungen mithalf. Während der Gestaltung des Fahrweges wurde aber anderes nicht vergessen, u.a. wurde auch die Geselligkeit im Tal gepflegt.

Wegebauer
Fleißige Wegebauer

Wegebau

 

Ballonaufnahme_Ernst_Wandersleb                  1909 - Ballonaufnahme von Ernst Wandersleb (Quelle: Archiv für Geografie, Leibnitz-Institut für Länderkunde Leipzig)