Jenzig-Gesellschaft e.V.

 
 
 
 

Einführung

-Die Jenzig-Gesellschaft e.V. und ihr Wirken für einen der schönsten Berge um Jena-

Eine Betrachtung über die Jenzig-Gesellschaft e.V., erarbeitet und veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Herrn Gerhard Klingebiel (Vorsitzender 1992-2003), ergänzt und überarbeitet für die Internetseite durch Herrn Wolfgang Eifler (Vorsitzender 2003 bis 2013).

Ehe wir uns dem Wirken der am 16.05.1903 gegründeten Jenzig-Gesellschaft zuwenden, sollten auch zunächst -ergänzend zu den Ausführungen im Abschnitt "Aus dem Archiv" -vielleicht etwas die kulturhistorischen Erkenntnisse über den Jenzig beleuchtet werden. Dabei möchten wir uns stützen auf einen Artikel des Herrn Matthias Rupp, Jena: „Der Jenzig bei Jena im Mittelalter“ und des Privat-Dozenten, Herrn Dr. phil. habil. Sven Ostritz, Bad Sulza: „Der Jenzig bei Jena in prähistorischer Zeit“.

Die prähistorische Nutzung oder Besiedlung des Jenzig steht in engem Zusammenhang mit seiner landschaftlichen Ausformung und geographischen Lage. Obwohl es sich beim Jenzig streng genommen nicht um eine Erhebung sondern um einen Sporn handelt, der von der östlich an das Saaletal anschliessenden Hochebene in dieses hineinragt, wirkt er vom Tale aus gesehen wie ein „Berg“ und wird auch in vergleichbarer Weise genutzt.

Dies gilt sowohl für seine natürliche Schutzlage als auch für seine „beherrschende Stellung“ über dem Saaletal und seine hervorgehobene, gleichsam „repräsentative“ Landschaftsposition. Großräumig betrachtet liegt der Jenzig in einer Zone, die über viele Perioden der Ur- und Frühgeschichte hinweg als Kontaktgebiet, vor allem zwischen Nord und Süd gelten muss.

Bereits in der ausgehenden Jungsteinzeit lässt sich eine Nutzung des Jenzig‘s nachweisen. Das Fundmaterial zeigt vielfältige kulturelle Beziehungen in alle Richtungen, ohne das es sich einer bestimmten archäologischen Kultur zuweisen liesse. Diese Situation ist aber für den Nordrand der Mittelgebirge in Thüringen in dieser Zeit typisch. Danach wurde der Jenzig längere Zeit nicht besiedelt, bis wir aus der späten Bronzezeit, speziell der sogenannten mittleren Urnenfelderzeit, erneut einen Fundniederschlag registrieren können. Dabei handelt es sich um den grössten Teil der auf dem Jenzig gemachten prähistorischen Funde. Einige Befunde lassen darauf schliessen, dass es sich dabei um eine befestigte Höhensiedlung gehandelt hat. Die Funktion dieser be-festigten Höhensiedlungen in der ausgehenden Bronzezeit ist bisher nicht letztgültig geklärt, da von den zumeist grossen lnnenflächen in der Regel nur ein ganz kleiner Teil ausgegraben worden ist. Dennoch nimmt man an, dass es sich vorwiegend um „Fluchtburgen“ für die Bevölkerung der umliegenden Dörfer gehandelt hat und weniger um repräsentative Wohnsitze für herausgehobene Persönlichkeiten o.ä.

Einen solchen Charakter mag wohl auch die befestigte Höhensiedlung auf dem Jenzig gehabt haben. Jedenfalls spricht manches für eine solche Interpretation. Bemerkungen Friedrich Klopfleisch`s, des Begründers der Urgeschichtsforschung an der Uni Jena, über rotgebrannte, z.T. verschlackte Steine und verkohlte Hölzer im Befestigungswall der Höhensiedlung legen zumindest die Vermutung nahe, dass diese tatsächlich der Verteidigung diente und womöglich im Zuge einer kriegerischen Auseinandersetzung zugrunde ging. Funde aus späteren Zeiten sind auf dem Jenzig rar. Aus der späten Laténezeit gibt es noch vereinzelte Hinweise auf eine germanische Begehung des Plateaus, als Siedlungsniederschlag sind sie wohl nicht zu werten. Auch aus dem Mittelalter und der slawischen Periode gibt es vereinzelte Funde, ohne dass sich diese mit einer ausgeprägten Siedlungstätigkeit verbinden ließen.“

„Erst für das 10. Jh. n. Chr. verweisen vier Scherben mittelslawischer Keramik auf die erneute Anwesenheit von Menschen auf dem Jenzig. Aus diesen wenigen Funden ist wohl kaum auf eine längerfristige Besiedlung oder Weiternutzung der alten Wehranlage als Fluchtburg auf dem Höhenrücken zu schliessen. Die vereinzelten Gefäßreste belegen lediglich, dass der Jenzig in dieser Zeit gelegentlich von den Bewohnern der umliegenden slawischen Talsiedlungen aufgesucht wurde“.

Im 12. Jh. tritt der Jenzig in das Licht der schriftlichen Überlieferung.

Als Kaiser Friedrich 1. Barbarossa einen Teil seiner sächsischen Reichsgüter an den Herzog von Sachsen, Heinrich dem Löwen, verlieh, erhob er als Ausgleich am 1. Januar 1158 einige seiner Eigengüter zu Reichsbesitz. Zu diesen Gütern gehörte auch der Berg Jenzig, den der Kaiser aus dem Besitz des Grafen Rapoto von Abenberg erworben hatte. Wahrscheinlich erhielt dieser den Jenzig aus dem Erbteil seiner Frau Mathilde, deren Mutter Bertha von Groitzsch den Grafen Dedo von Wettin geheiratet und den Jenzig vermutlich aus Groitzscher Besitz in die Familie eingebracht hatte. Die ausdrückliche Nennung des Berges Jenzig in der Urkunde von 1158 lässt vermuten, dass der Wert der Besitzung weniger in der strategischen Lage als in der wirtschaftlichen Bedeutung gesehen wurde. Dies widerspiegelt sich auch in einer Urkunde vom 1185.

(Diese Urkunde wurde von der Jenzig-Gesellschaft im Jahr 2007 vom Staatsarchiv Wolfenbüttel erworben und ist nun in unserem Archiv aufbewahrt!)

Am 6. Juni jenes Jahres überließ Otto, Markgraf von Meißen, dem Kloster Altzella (bei Nossen)den Zehnten von Weinbergen in Camburg und am Berge Jenzig. Im Jahre 1196 schenkte auch der Graf Dietrich von Weißenfels dem Kloster Altzella die Zehnten von seinen Weinbergen in Camburg, am Jenzig, in Kirchberg und Eisenberg. Diese Besitzungen und besonders die Zehn-ten von den Weinbergen bestätigte Papst lnnocenz IV. noch 1245 dem Kloster. Bereits 1237 überließ Bischof Engelhard von Naumburg den Zehnten von ihm bereits gehörenden und noch anzulegenden Weinbergen am Jenzig dem Kloster Kapellendorf. Die Nennungen belegen, dass Weinlagen am Jenzig bereits in dieser Zeit zum begehrten Gut adeliger Grundherren geworden waren, die sich durch die Vergabe von Weinland an kirchliche Institutionen ihr Seelenheil sichern wollten. Mit der Gründung der Stadt Jena traten neben die adeligen Spender zunehmend Angehörige der Jenaer Bürgerschaft als Besitzer von Weinbergen.

So bestätigten im Jahre 1259 die Burggrafen Dietrich der Ältere und Dietrich der Jüngere von Kirchberg ihrem Hauskloster Kapellendorf seine Besitzungen, darunter auch Zinsen Jenaer Einwohner von Weinbergen am Jenzig. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt Jena im 14. Jh. entwickelte sich der Weinanbau zu einer der bedeutendsten Erwerbsgrundlagen der Stadt. Der Jenzig gehörte dabei ohne Zweifel zu den besten Standorten. Die gesamte Süd- und Nordseite waren bis in die Steillagen mit Weinpflanzungen überzogen. Möglicherweise steht auch der Fund eines hochmittelalterlichen Messers auf dem Höhenrücken mit dem Weinbau in Zusammenhang.“

Land- und Gemeindegrenzen wechselten im Laufe der Zeiten, wechseln auch heute. In den letz-ten Jahrhunderten bis Herbst 1909 lag die untere Jenzigkuppe mit einem Teil des vorderen Plateaus im Flurbezirk des Jenaer Vorortes Wenigenjena, seit dessen Eingemeindung gehört das genannte Gelände zur Stadt Jena. Der hinten nach Osten zu liegende Jenzigteil, dessen Fortset-zung in einem hufeisenförmigen Bogen in dem Gleisberg und dem Schlossberg mit der Ku-nitzburg-Ruine endet, gehörte bis Herbst 1922 zu den Flurbezirken Kunitz, Jenaprießnitz, Wogau und Großlöbichau. Im Herbst 1922 kam auch der Kunitzer Teil zur Stadt Jena.

Am Nordhang, östlich vom jetzigen Schloß Talstein, lag vor Jahrhunderten eine Siedlung Wenigenkunitz, welche jedoch im Laufe ferner Zeiten verschwunden ist, ebenso wie das im Gembdental gerade gegenüber dem vorderen Jenzig am Hausberg gelegene ehemalige Schle-hendorf.

Noch in den Jahren 1880/90, als die Stadt Jena und ihre Umgebung kaum ein Viertel der Einwohnerzahl von 1920 hatte, lag der Berg noch ziemlich einsam und den Wohnstätten der Menschen ferner.

Schon vom Schlippengarten, dem heutigen Spielplatze, fehlte noch um die Jahrhundertwende ein guter gangbarer Weg nach dem Jenzig. Man musste mit einem ungepflegten Feldwege vorlieb nehmen. Noch schlechter sah es mit den Wegen am Jenzig selbst aus. Wohl hatte man Jahre vorher einen schmalen Zick-Zack-Weg am Berg lang nach oben angelegt Aber dieser schmale Weg führte nur von der halben Berghöhe nach oben. Unterhalb, bis zur selben Höhe musste der Wanderer sehen, wie er durch kam. Nicht allzu häufig und nur vereinzelt nahmen daher Naturfreunde den recht beschwerlichen Aufstieg auf die noch kahle Bergkuppe in Angriff...