Jenzig-Gesellschaft e.V.

 
 
 
 

Die JG erstarkt

Die Jenzig-Gesellschaft erstarkt weiter (1920- ca.1930)

Von Anfang 1920 an begann die Zahl der Mitglieder der Gesellschaft wieder zu steigen, ab 1921, dank der rührigen Werbearbeit des Vorstandes und eifriger Mitglieder, sogar ganz rapide.

Nachdem am 5. Januar 1921 auch Wilhelm Härdrich, Duisburg, aber ein Jenaer Kind geblieben, Mitglied der Jenzig-Gesellschaft geworden war, konnte 1922 das Eintausendste Mitglied (Wilhelm Härdrich, junior) bei der Gesellschaft eingetragen werden. Dieses Ereignis wurde natürlich oben besonders gefeiert. Die Gesellschaft hatte damit hinsichtlich der Mitgliederzahl die erste Stelle unter den durchweg viel älteren Berg-Gesellschaften der Umgebung erreicht.

Nach dem 1.Weltkrieg stieg aber nicht nur die Zahl der Gesellschaftsmitglieder, sondern wurde es auch wieder reger bei dem „Wege- und Anpflanzungssport“. Verschwiegen soll nicht bleiben, dass eine im ganzen Land überhand genommene Zerstörungswut von rohen Burschen einige Male auch auf die am Jenzig geschaffenen Anlagen, Wege und Anpflanzungen übergriff. Doch konnten die Gesellschaftsmitglieder diesen rohen ungebührlichen Unfug bald kräftig steuern.

Unser Jenzighaus erhielt elektrische Beleuchtung. Mit Hilfe einer größeren Stiftung des lieben Mitgliedes Wilhelm Härdrich, der trotz seines weit entfernten Wohnsitzes immer wieder gern zum Jenzig zurückkehrt, ein Klavier unser eigen nennen. Ein Jenzigfreund, der jetzt in Amerika lebt, dachte unserer von dort aus mit Zuwendungen. Die Gastzimmer unseres Hauses wurden mit Hilfe von Stiftungen und Sportarbeiten schön renoviert. Sturmschäden machten wieder Ausbesserungen des Daches notwendig. 1922 erhielt unser Areal Zuwachs durch ein hinter dem Hause an unser altes Grundstück grenzende, mit Bäumen bestandene Fläche von 686 qm Größe. Das fragliche Areal wurde uns von der Stadt Jena im Tausch übereignet, das der Stadt zufallende Tauschobjekt stiftete aber ein Mitglied von seinem Privatgrundstück. Unser „Restaurationsgarten“ hinter dem Hause konnte dadurch wesentlich und - was eine Hauptsache ist - auch kräftig vergrößert werden. Unsere freiwilligen Sporter ließen es sich nicht nehmen, den neuen Gartenteil und dessen Verbindung mit dem Hause idyllisch herzurichten. So mancher Besucher wird diesen neuen Platz gern zum Rasten wählen. Unser Grundstück hat jetzt die neue Kataster - Nr.: 1239 des Flurbezirks Wenigenjena und ist nunmehr 34 a, 60 qm groß.

Die Gesellschaft trat am 11. März 1922 mit ihren damaligen 950 Mitgliedern dem “Bund der Thüringer Berg- Burg- und Waldgemeinden” bei. (siehe auch Link "Bund Thür.Berg-Burg-Waldgemeinden")

In den vorangegangenen Folgen wurden die ersten 20 Jahre Leben der Jenzig-Gesellschaft und ihr Wirken für den Jenzig dargelegt. Es waren ganz wichtige Jahre, denn in ihnen wurde der solide Grundstein für die Partnerschaft zwischen einer inzwischen mehr als 1000-köpfigen lebensfrohen Gemeinschaft und dem Jenzigberg geschaffen. Mehr prosaisch hat es jemand einmal so ausgedrückt:

„Wie weitblickend diese, unsere Altvorderen, bereits waren und welch tiefes Empfinden sie für ein schönes Fleckchen Heimat aufbrachten, kann nur ermessen, wer einmal bei Sonnenaufgang auf dem Jenzig gestanden und den einzigartigen Blick genossen hat, das Saaletal hinauf und hinunter, in das Gemdental hinein und zu den Nachbarhöhen hinüber. Man muß die wunderbare Feier eines Abendanstieges im Winter erlebt haben mit dem vieltausendfachen Lichtermeer der unten ausgebreiteten Stadt, das mit dem klaren Sternenhimmel wetteifert, ebenso, wie einen spätabendlichen Abstieg an einem lauen Maiabend, umgeben vom Duft blühenden Flieders und frischem Grün, begleitet vom Gesang der Nachtigallen, man muß die befreienden Ausblicke zum Jenziggipfel erfahren haben, die sich von zahllosen Blickpunkten immer wieder so reizvoll darbieten. Hier ist wirklich ein Schatz Thüringer Landschaft zu heben und hegen gewesen. Der Jenzig stellte und stellt seinen Freunden eine einzigartig schöne Aufgabe der Heimatpflege.“

Am 01.01.1924 konnte die Gesellschaft auf die stolze Mitgliederzahl von 1049 Personen blicken. Aufbauend auf diesem Grundstein wandte man sich nach dem Ausklang der Festlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen neuen Aufgaben zu. Die Jahre 1924 bis einschließlich 1929 waren gespickt mit Aufgaben und Problemen unterschiedlichster Art und als Matadoren jener Jahre möchten wir hier stellvertretend für noch andere ehrend vorstellen: Herren Bernst, Bauer, Berbig, Busch, Härdrich, Klipp, Möller, Schau, Rötzschke, Schönheit, Wahl. In der General-versammlung am 08.03.1925 kristallisierten sich bereits folgende Probleme heraus:

· Notwendiger Grundstückskauf · Wasserversorgung für den Jenzig und besonders für die Jenziggaststätte · Bereinigung der Misswirtschaft der Gaststätte · Wegerechtsanforderungen der Stadt über die Festwiese · Reparaturarbeiten am Jenzighaus · Befestigung der so genannten Hunnenkuppe und Wahrung der Verkehrssicherungspflicht für die Fahrstraße durch die Stadt. · Verbesserung der Lichtleitung zum Jenzighaus · Erweiterung des Jenzighauses.

Zur General- und damit Wahlversammlung sollte noch bemerkt werden: Es gab ein anderes Wahlverfahren als heute. Nach einer bestimmten Regel musste eine bestimmte Anzahl von Vorstandsmitgliedern ausscheiden. Diese konnten sich jedoch wieder zur Neuwahl stellen und auch wieder gewählt werden. Man hatte eben zu jener Zeit noch einen großen Pool an Mitglie-dern und auch an solchen, die im Vereinsinteresse Verantwortung übernehmen wollten. Aber zurück zu den Problemen und ihrer historischen Erledigung.

Erst 1922 und Anfang 1923 konnten die auf unserem Hause noch ruhenden Hypotheken abgestoßen werden, so dass das gesamte Grundstück der Gesellschaft nunmehr schuldenfrei ist. Die abgestoßenen Hypotheken stellten infolge des in den letzten Jahren, hauptsächlich aber von Ende 1922 ab eingetretenen ganz ungeheuren Sinkens des Wertes des Papiergeldes - und anderes war schon seit mehreren Jahren nicht mehr im öffentlichen Verkehr - jetzt nur einen geringen Bruchteil des ehemaligen Wertes dar. 1904 und 1905 waren aber die Summen noch ansehnlich, schwer aus dem Nichts heraus zu stampfende Beträge! An Stelle des gesunkenen deutschen Geldwertes ist im zwanzigsten Jahr des Bestehens der Gesellschaft dafür ein ganz enormes Steigen der Sachwerte eingetreten und besitzt unser jetzt schuldenfreies Grundstück mit dem darauf befindlichen stattlichen Bau, dem Mobilar und den sonstigen Einrichtungen zur Zeit einen Wert von einer ganz stattlichen Zahl von vielen Millionen Mark mit „Nichts“ fingen wir 1903 an!

In unserem Heim stieg bald wieder der Frohsinn, wenn auch noch nicht ganz so laut, als vor dem Kriege, was bei der Schwere der Nachkriegszeit erklärlich ist. Auch die Stiftungsfeste wurden wieder jährlich gefeiert, wobei eine Riesenmenge von Besuchern zeigte, welcher großen Beliebtheit sich die Gesellschaft erfreute.

Unsere Jenzigstifter hatten wieder Leyer und Harfe genommen und den Pegasus erstiegen und auch die neuen‚ wieder in vielen Druckexemplaren gestifteten Lieder wurden oft und gern gesungen. Zum Stiftungsfeste 1921 erschien im Druck ein Werbeheftchen mit dem Titel:

„Die Jenzig-Gesellschaft zu Jena. Als Festgabe den Jenzigfreunden gewidmet.“

Der Stifter war ein eifriges Vorstandsmitglied, der auch als großer Naturfreund oft oben weilte. Das Heftchen trug sehr viel zur Werbung neuer Mitglieder bei und brachte der Gesellschaft auch Sondereinnahmen.

Die Stifter, die größere oder kleinere Zuwendungen machten, sind so viel, dass es unmöglich ist, jeden einzeln hier im Rahmen der kurzen Bemerkungen anzuführen. Es sei aber nicht vergessen, hier auch der ganz großen Anzahl von Stiftern zu gedenken, die seit Bestehen der Gesellschaft mit ihrer Hände oder ihres Geistes Arbeit in der Stille am und auf dem Jenzig wirkten und hier wertvolle und segensreiche Stiftungen, wie Wege, Anpflanzungen und viele sonstige Einrichtungen schufen.

Alle Stiftungen geben aber die feste Zuversicht, dass die Jenzig-Gesellschaft auch nach ihrem zwanzigjährigen Bestehen weiter in ihrem bisherigen Wirken fortfahren wird, zum Segen der vielen tausenden von Wanderern und Erholungsbedürftigen.

„... Des Werkes Verdienst und Wert
wird nach des Mannes Sinn und Kraft bemessen
wer seinen Brüdern nützt, bleibt unvergessen
grab einen Quell aus dürrem Bergesrand
pflanz einen Baum in ödes Heideland
auf dass ein Wandrer, der nach vielen Jahren
an diesem Born sich labt und Früchte bricht
von deinem Baum, froh dich segnend spricht
ein guter Mensch ist dieses Wegs gefahren.“

Das gilt auch für alle, welche selbstlos oben an den Wegen fronten und Schatten spendende Bäume oder Wege schützende Sträucher pflanzten oder in aller Stille oben anderes schufen.

 

Fröhlichkeit auf dem JenzigFröhlichkeit auf dem Jenzig

Anfang Mai 1923 waren bereits etwa fünfhundert weitere Mitglieder eingetreten, sodass die Gesellschaft nach zwanzigjährigerm Bestehen stolz auf ihre Werbekraft und auf die Aner-kennung ihrer Bestrebungen sein kann. Wenn auch die nähere Umgebung naturgemäß die weitaus größte Zahl der Mitglieder stellte, so wohnen doch auch viele Mitglieder in weiterer Entfernung und einige sogar außerhalb der Grenzen des Vaterlandes.

Nach dem Kriege stieg aber nicht nur die Zahl der Gesellschaftsmitglieder, sondern wurde es auch wieder reger bei dem "Wege- und Anpflanzungssporte".

Verschwiegen soll nicht bleiben, dass eine im ganzen Land überhand genommene Zerstörungswut von "rohen" Burschen einige Male auch auf die am Jenzig geschaffenen Anlagen, Wege und Anpflanzungen übergriff. Doch konnten die Gesellschaftsmitglieder diesen ungebührlichen Unfug bald entgegenwirken.

Das Gastzimmer des Jenzighauses wurde mit Hilfe von Stiftungen und Sportarbeiten schön ausgestattet.

Das Grundstück konnte erweitert werden. Unsere Sportler ließen es sich nicht nehmen, den neuen Gartenanteil und dessen Verbindung mit dem Jenzighaus idyllisch herzurichten. So mancher Besucher wird diesen Platz gern zum rasten wählen.

Die "abgestoßenen" Hypotheken stellten infolge des in den letzten Jahren eingetretenen ganz ungeheuerlichen Sinken des Papiergeldes jetzt nur einen geringen Bruchteil des ehemaligen Wertes dar. Anstelle des gesunkenen deutschen Geldwertes ist im zwanzigsten Jahr des Bestehens der Gesellschaft dafür ein ganz enormes Steigen der Sachwerte eingetreten und besitzt unser schuldenfreies Grundstück mit dem darauf befindlichen stattlichen Bau, dem Mobiliar und den sonstigen Einrichtungen zur Zeit einen Wert von einer stattlichen Höhe von vielen Millionen Mark mit "Nichts" hatten wir angefangen...

In unserem Heim stieg bald wieder der Frohsinn, wenn auch noch nicht so laut, als vor dem Kriege, was bei der Schwere der Nachkriegszeit erklärlich ist. Auch die Stiftungsfeste wurden wieder jährlich gefeiert, wobei eine hohe Zahl von Besuchern zeigte, welcher großen Beliebtheit sich die Gesellschaft erfreute.

Am 05.Juni 1926 wurde die Gesangsabteilung (der spätere Jenzig-Chor) gegründet. Welch große Begeisterung - die Zahl der Mitglieder schnellte empor und bald wurde er der größte Männerchor der Region! Doch auf diesen Chor soll näher eingegangen werden. (siehe Link “Chor”)

Parallel dazu wurden jedoch auch die anderen oben genannten Vorhaben nicht aus dem Auge verloren, und es wurde auch der Geselligkeit im Jenzighaus über Bergfeste mit Glücksrad, Fisch- und Schokoladenbude, Sonnenwendfeiern, Erntedankfeste, etc., aber immer mit Eintrittsgeldern für alle, außer Kindern, im "2- bis 3-Groschenbereich" und den obligatorischen sonnabendlichen Sippungen auf dem Jenzig Rechnung getragen, man traf sich mit den Jenaer Berggemeinden und war die größte Gruppierung im Verband der Thüringer Berg-, Burg- und Waldgemeinden. In diesem Verband war man jedoch nicht ganz glücklich. Ständig wurden erhöhte Beiträge gefordert, ohne dass zu erkennen war, welchen Nutzen die Mitgliedschaft brachte. Man war auch sehr unzufrieden über die zumeist sehr schlecht vorbereiteten und schlecht durchgeführten Sitzungen des Verbandes und stellte mehrfach den Austritt aus dem Verband auf die Tagesordnung von Vorstandssitzungen und Generalversammlungen der Jenzig-Gesellschaft, der nur abgewendet werden konnte durch beharrliches Verhandeln um nicht zu hohe Mitgliedsbeiträge. Aber auch das Jenzighaus erforderte die Aufmerksamkeit des Vorstandes und der Mitglieder. So waren 1926 Reparaturen an der Tür und am Dach der Vorhalle notwendig, es wurde im Herbst 1927 ein neuer Herd angeschafft, es wurden zum 09.05.1927 100 Stühle und zum 06.05.1928 30 Tische und 243 Stühle für das Jenzighaus und neue Gartenmöbel gekauft. Am 09.06.1927 wird beschlossen, Malerarbeiten in der Wohnung, der Küche und dem Büffet des Jenzighauses für 227,63 RM an den Malermeister Kamprad zu vergeben. Dabei spielte das Geld immer eine große Rolle, da auch durch den notwendigen Landkauf auf dem Jenzig (Festwiese ?)  1924/25 über Darlehen die finanzielle Situation der Gesellschaft angespannt war. In dieser Situation bot Gründungsmitglied, Stadtrat Lehmann, im Frühjahr 1927 der Jenzig-Gesellschaft noch eine Fläche aus seinem Besitz auf dem Jenzig zum Kauf an. Man war also in ständigen Geldnöten bei kleinsten Anschaffungen und führte ständig Verhandlungen mit allen Firmen um Kostenreduzierung. Oft half in solchen und ähnlichen Situationen das Ehrenmitglied Wilhelm Härdrich der Gesellschaft aus prikären Situationen. Und wenn wir hier bei Wilhelm Härdrich sind, so muß bemerkt werden, dass dieser in der Generalversammlung am 12.02.1928 den Antrag an die Gesellschaft stellt, zum Andenken an die Familie Härdrich „Härdrichs Ruh“ am Südhang der Jenzigkuppe errichten zu lassen. Diesem wird unter der Bedingung stattge-geben, dass dadurch der Bergblick nicht gestört wird, denn es gab zu dieser Zeit noch keine Bäume am Jenzighang. Bäume wurden entlang der neuen Fahrstraße zum Jenzig durch den Forstbeamten Adam im Jahre 1927/28/29 gepflanzt, wofür ihm am 01.06.1929 der Dank der Jenzig-Gesellschaft ausgesprochen wurde. Infolge eines Grundstücktausches mit der Stadt Jena, war die so genannte „Hunnenkuppe“ an die Stadt Jena übergegangen. 1927 zeigte sich, dass dieser Hunnenkuppe der Verfall drohte. Doch der Oberbürgermeister der Stadt Jena, Herr Els-ner, stellte infolge Intervention der Jenzig-Gesellschaft die Erhaltung in Aussicht und nach Vor-lage einer Zeichnung seitens der Stadt am 09.05.1927 errichtete die Stadt mit Steinen aus dem Steinbruch der Jenzig-Gesellschaft auf dem Jenzig die uns heute bekannte Jenzigkuppe, als wunderschönen Ausblick auf die Stadt Jena, die Nachbarberge und das Saaletal.

*Der Bau der Wasserleitung

In der Vorstandssitzung am 23.04.1925 regt der Vorsitzende P. Bernst an, Versuche zu starten, um auf oder am Jenzig Wasser zu gewinnen. Der rege Besuch des Jenzighauses stellte die Gastronomie ohne eine stetige Wasserversorgung vor ernste Probleme, sodass der hier gebo-rene Gedanke – es muß Wasser auf den Jenzig – den Vorstand nun nicht mehr los ließ, trotz immer wieder notwendiger Reparaturen im und am Haus, an Bänken und Ähnlichem und der Erneuerung des Blitzableiters. Zu dieser Abklärung wurde ein erfahrener Wünschelrutengänger engagiert, der auch zum Teil starke Quellen am Nordhang des Jenzigs, im Bereich des Tümp-lingschen Waldes ausfindig machte.

Doch es verging Zeit, denn der Vorstand sah die finanzielle Seite des Vorhabens, aber in allen Vorstandssitzungen wies besonders P. Bernst immer wieder auf die Notwendigkeit der Lösung dieses Problems hin. Schließlich schlug er die Bildung einer Wasserkommission vor, die sich mit der Wasserfrage beschäftigen sollte. Ihr gehörten an die Herren Bernst, Eichelberger, Serfling und Rötzschke. Zwischenzeitlich wurde Geld für die Wasserleitung auch aus Erlösen von Festen der Gesellschaft gesammelt. Am 18.08. 1927 stellte P. Bernst in einem Vortrag dem Vorstand zwei Projekte zur Wahl vor:

a) Anschluß an das Jenaer Wassernetz, als beste Lösung, aber mit hohen Kosten: 11.000 RM! Diese Lösung wird zunächst fallen gelassen.

b) Nutzung der Quellen am Nordhang des Jenzigs. Man möchte dieser Variante den Vorrang geben und P. Bernst will sich mit dem Wasserwerk bezüglich fachlicher Beratung in Verbindung setzen.

Am 15.09.1927 berichtet P. Bernst über seine Erkundigungen in Fachkreisen und kommt mit Herrn Ing. Hemsen zu dem Schluß, dass der Bau vom Gembdental her (sogen. Burenschenke) zu einer Pumpstation im Bereich des „Sonnenblicks“ und weiter hinauf über den Südhang des Jenzigs in Zusammenarbeit mit den Wasserwerken die günstigste Variante ist. Als Kosten wurden veranschlagt 6.900 RM.

Wilhelm Härdrich ist bereit, 5.000 RM zu einem geringen Zinssatz zur Verfügung zu stellen und empfiehlt die Schachtarbeiten wieder von "Jenzig-Fronern" durchführen zu lassen. P. Bernst will sich beim Oberbürgermeister für eine schnelle Abwicklung des Genehmigungsverfahrens einsetzen und nach der Baugenehmigung soll die Mitgliederversammlung in Kenntnis gesetzte werden. Der Vorschlag, der Wasserrohrtrasse gleich ein Gasrohr beizugeben, wurde aus Kostengründen abgelehnt.

Mit den Eigentümern der Grundstücke am Jenzig, die die Leitung queren muß, traf P. Bernst schriftliche Einverständniserklärungen, die zu den Akten gingen.

Bis zum Frühjahr 1928 war die Wasserfrage zu einem gewissen Abschluß gekommen. Am 16.04.1928 hatte die Stadt die Baugenehmigung erteilt.

Man verhandelte jetzt über Kostenangebote für die Rohrverlegung, den Zuschlag erhielten die Wasserwerke Jena, und die Stromzuführung zum Pumpenhaus, welches am 5. Juli 1928 fertig gestellt wurde. Im November 1928 erfolgten noch einmal zähe Verhandlungen mit dem Gas- und Wasserwerk wegen Garantien und den möglichen späteren Anschluß von interessierten Verbrauchern.

Am 18. November 1929 wurde die von den Mitgliedern unter großen Mühen errichtete Wasser-leitung vom Gemdental auf das Plateau, zum Jenzighaus, eingeweiht. Das war ein großer Tag für die Gesellschaft!

 Teil7_Wasserleitungsbau1b    

                           Bautrupp an der Wasserleitungstrasse

In einem Zeitungsausschnitt aus den Jahre 1929 kann man dann aber folgendes nachlesen:

    „Das Werk ist vollbracht! Das erste Wasser aus der neu erbauten Wasserleitung der Jenzig-   Gesellschaft wurde am Sonnabend, den 7. Juli ds. Js., im Beisein des Jenzigvorstandes und einiger Herren des städtischen Wasserwerkes nach dem Jenzighaus hochgepumpt. Um genau 15:24 Uhr hisste der Bergwirt die Jenzigfahne und zeigte damit die Ankunft des ersten Wasser-strahles auf der Höhe an. Die gesamte Rohrlänge beträgt 700 Meter, wovon etwa nur 200 Meter im normalen Druckbereich liegen..."

Diese Arbeit wurde von 800 Mitgliedern in harter Fronarbeit geschaffen, und wir müssen noch heute den Hut vor den Leuten ziehen, die diese Arbeit durchgeführt haben. Die Leitung führte von der so genannten Burenschänke im Gembdental über ca. 200 m bis zum Pumpenhaus, das im so genannten Sonnenblick-Gelände steht und von dort dann am südlichen Jenzighang über ca. 200 Höhenmeter hinauf zum Jenzighaus.

 

Aber es wurden auch die restlichen Probleme der im vorangegangenen Teil aufgelisteten Projekte weiter diskutiert und letztlich auch parallel angegangen. Zunächst:

* Die Vergrößerung des Jenzighauses

Der Besucherstrom und die Zahl der Vereinsmitglieder wuchs ständig, so daß die Frage nach einer Vergrößerung des Jenzighauses zwangsläufig kommen musste.

Angefangen hat es mit dem Plan des Herrn Bauer, vorgelegt in der VS am 19.11.26: Anbau an die Gaststube sowie ein Keller nach der Stadtseite von ca. 13 m Länge. Im Dachgeschoß sind 3 kleine und ein großes Zimmer vorgesehen. Dieser Vorschlag wurde viel diskutiert und in seinen Ausmaßen gekürzt. Letztlich legt in einer VS am 29.12.1928 der Architekt Ernst Härdrich, ein Bruder des Wilhelm Härdrich, Zeichnungen über einen Erweiterungsbau vor. Nach Durchsprache wurde dieses Projekt einstimmig angenommen. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 19.500 RM. Plus 4.500 RM für die mit geplante Heizungsanlage. Wilhelm Härdrich stellte 20.000 RM gegen 8 % Zinsen für eine Realisierung zur Verfügung. Darauf hin wurde in der VS am 17.1.1929 eine Baukommission ins Leben gerufen, die sich um die Baugenehmigung und alle anderen notwendigen organisatorischen Belange kümmern und sich auch Gedanken über Möglichkeiten der Rückzahlung des Härdrichschen Darlehens machen sollte. Aber bereits in der VS am 10.02.1929 erhöhte sich der Vorkostenanschlag auf 25.000 RM. Am 08.05. 1929 wurden die Gewerke zur Ausführung vergeben.

Die Bauleitung hatte Architekt Ernst Härdrich, und die Oberleitung lag in den Händen der da-maligen Vorsitzenden Herren Fritz Klipp und Karl Schüler. Mit den Arbeiten wurde im Frühjahr 1929 begonnen.

Am 18. November konnte man in der Jenaer Zeitung lesen:

       " Einweihungsfeier, der durch Umbau erweiterten Gasträume des Jenzighauses"

Die Kosten für den Erweiterungsbau beliefen sich zum Schluss auf stattliche 32.652,30 RM.

Bei dieser Einweihungsfeier trat zum ersten Mal die Gesangsabteilung der Jenzig-Gesellschaft, der Jenzig-Chor, auf und sang: "Brüder reicht die Hand zum Bunde... " Die Gesangsabteilung bestand zu diesem Zeitpunkt aus 80 Männern und gründete sich aus Mitgliedern der Jenzig-Gesellschaft am 24. Juni 1929.

Parallel zu allem wurde in der Vorstandssitzung am 20.09.1928 auf Missstände an der Elektrozuleitung zum Jenzighaus aufmerksam gemacht: Die Belastung der Leitung durch das Jenzighaus führte zu einem Spannungsabfall von 30 V. Auch hier wurden Verhandlungen zum Teil über den OB der Stadt Jena mit dem E-Werk geführt, um dieses Problem zu lösen. Die Kosten für die neue Leitung betrugen 2.000 RM, wobei die Leitung trotzdem im Besitz des E-Werkes verblieb.

Ebenso verhandelte F. Klipp im Januar 1928 mit dem Jenaer Tiefbauamt über die In-standhaltung des Fahrweges zum Jenzig. Anfangs verhielt sich die Stadt zu diesem Problem sehr gleichgültig, aber letztlich stellte sich doch die Stadt ihrer Verkehrssicherungspflicht.

Man setzte auch durch, dass Warntafeln am Fußweg angebracht werden durften, die das Be-fahren desselben verboten.

Trotz all dieser vielfältigen Aufgaben und Arbeiten wurde am 16./17. Juni 1928 das 25. Stif-tungsfest feierlich begangen.

Nach diesen arbeitsreichen und finanzintensiven Jahren widmete sich die Gesellschaft nach 1929 zunächst ihrem Vereinsleben, man wollte ja auch das Geschaffene genießen. Es wäre noch über einige gedanklich Ansätze und Vorhaben der Jenzig-Gesellschaft aus dieser Zeit zu berichten, aber das soll der Fortsetzung vorbehalten bleiben.

Fackelzug                         "Fackelzug" auf dem Zick-Zack-Weg (1929)