Jenzig-Gesellschaft e.V.

 
 
 
 

Der 2.Weltkrieg

Die Kriegsjahre 1939-1945

Der begonnene Krieg hat wieder vieles im Leben der Jenzig-Gesellschaft verändert. In der ersten Vorstandssitzung nach Kriegsbeginn am 16.09.1939 wurden schon gewisse Veranstaltun-gen abgesagt. Der Jenzigwirt, Ernst Schmaler, war auch zum Militär eingezogen worden und so wurden mit der Frau Schmaler, die jetzt auf sich alleingestellt die Gastwirtschaft im Jenzighaus führte, Pachtermäßigungen abgestimmt. Der Pachtzins wurde um 200 M auf 225 M pro Monat gesenkt. Jahreshauptversammlungen mit Vorstandswahlen brauchten während der Kriegsjahre nicht separat durchgeführt werden. Als Ersatz dafür fanden Vorstandssitzungen statt. Anfang 1940 hatte die Jenzig-Gesellschaft 600 Mitglieder. Am 5. Dezember wird Franz Pelzer neben seiner Tätigkeit als 1. Schriftführer Kriegsführsteher, da der bisherige 1. Vorsitzende, Paul Mül-ler, auch eingezogen wurde. 1941 plant man trotzdem Familienabende und die Grün-donnerstagssingstunde.

In der Vorstandssitzung im Februar 1942 kann man rückblickend feststellen: 1941 kam es zu 22 Veranstaltungen, im Jenzighaus und am Berg wurden Pflegearbeiten durchgeführt, Gartenmöbel repariert, der Wanderweg ständig gesäubert, die Anpflanzungen kontrolliert, die Stützmauer bei „Sorges Ausblick“ repariert und die 6 Lampen auf der Verandamauer in Pflege gehalten. Leider muß man auch schon auf erste Gefallene aus den Reihen der Jenzig-Gesellschaft verweisen.

Besonders denkwürdig ist die Vorstandssitzung am 17.09.1942 in der Gaststättte „Post“:

  • Man kann über 424,5 Arbeitsstunden am Jenzig berichten
  • Paul Härdrich, Sohn des Wilhelm Härdrich, wird zum Ehrenmitglied ernannt. 
  • Wilhelm Härdrich verliest den staunenden Anwesenden sein Stiftungsstatut in dem der Jenzig besonders bedacht wurde und erläutert weitere Pläne für den Jenzig.

Mitte 1943 faßt man den Beschluß: Die Jubiläumsfeier am 10.07.1943 findet wegen der Nachta-larme nicht statt, aber es soll ein Frühschoppen am 11.07. auf dem Jenzig stattfinden mit einer Ansprache des Kriegsführstehers Franz Pelzer. Trotzdem kann man im Frühjahr rückblickend auf das vergangene Jahr wieder von 22 Veranstaltungen berichten und feststellen, dass doch recht viele Besucher auf dem Jenzig waren. Franz Pelzer, als Kriegsführsteher und Schriftführer und Fritz Schau werden auch 1944 die Geschäfte weiterführen.

Auf dem Berg wurde 1944 eine Flakeinheit stationiert, die im hinteren Plateaubereich eine noch heute sichtbare Stellung innehatte. Auf dem Bergsporn, der "Nase" war ein Fundamet einge-bracht, an dem ein Fesselballon verankert wurde. Auf diesem Fundament wurde übrigens aus Anlass der 100-Jahrfeier der Jenzig-Gesellschaft e.V. 2003 der heutige "Jenzig-Stern", die weithin ins Tal leuchtende Laterne, errichtet. (>>>Geschichte - Das Jenzighaus)  

Zusammenfassend kann man die Situation über die Kriegsjahre hinweg vielleicht so schildern: Die meisten Jenziger waren im Kriege , viele von ihnen kehrten nicht wieder heim zu ihrem Berg. Das Vereinsleben beschränkte sich auf die Älteren, auf den Erhalt des Jenzighauses und die Aufrechterhaltung der Bewirtschaftung. Trotz der immer häufigeren Luftangriffe auf Jena - es war 1944/45 Wanderern und Ausflüglern beinahe unmöglich den Jenzig ungestört zu errei-chen - hat eine Skatrunde unerschrockener Jenziger, dem Berg die Treue gehalten und sich je-den Sonnabend auf dem Berg zusammengefunden. Es waren dieses Herr Brunner, Herr Carl, Herr Weber, Herr Eize, die auch der Wirtin, Frau Schmaler, deren Mann eingezogen war, eine treue Stütze. Die wirtschaftliche Situation der Gesellschaft war auf das Äußerste angespannt und nur in einem harten Ringen seitens des „Kriegsvorstehers", Herrn Franz Pelzer, und seines freundschaftlichen Beraters, Wilhelm Härdrich, aber auch der Gastwirtsfamilie Schmaler, ist es zu verdanken, daß das Jenzighaus über die Kriegsjahre nicht geschlossen werden mußte. Dem Wirt fehlte es an Umsatz, der Gesellschaft an Geld zum Erhalt des Hauses.

Im Mai 1945 kam das Kriegsende mit dem totalen Zusammenbruch Hitler-Deutschlands und die Aufteilung Deutschlands in die allierten Besatzungszonen. Die erste Vorstandssitzung der Jenzig-Gesellschaft nach dem Zusammenbruch fand am 15.09.1945 auf dem Jenzig statt. Paul Müller war aus der Gefangenschaft wieder zurückgekehrt und hatte sein altes Amt als 1. Vor-sitzender wieder eingenommen und eröffnete die Sitzung im Auftrage des Herrn Dr. Koch vom Kulturamt Jena und der russischen Kommandantur und vermeldet, dass alle Aktivitäten der Jenzig-Gesellschaft ruhen. Es finden keine Veranstaltungen statt und es werden abwartend die Befehle "von Oben" erwartet. Die Jenzig-Gesellschaft soll sich geschlossen im Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands anmelden. Der Bund der Thüringer Berg-, Burg- und Waldgemeinden lebte nicht wieder auf, er wird gelöscht. Der Vorstand der Jenzig-Gesellschaft setzte sich wieder wie gehabt zusammen: 1. Vorsitzender Paul Müller, 2. Vorsitzender Karl Schüler, 1. Kassierer Fritz Schau, 2. Kassierer Arno Pretzsch, 1. Schriftführer Franz Pelzer, 2.Schriftführer Adolf Lutz