Jenzig-Gesellschaft e.V.

 
 
 
 

Die Berg-Gastronomie

Die Gastronomie als Partner der Gesellschaft

Nun ein kurzer Rückblick auf die ersten 20 Jahre Gastwirtschaft im Jenzighause. Im Allgemeinen hatten wir in den ersten zwanzig Jahren Glück mit unseren Wirten. Alle bemühten sich, den großen Anforderungen, die wegen der Abgelegenheit der Wirtschaft oft schwierig und mühevoll zu erledigen waren, zu entsprechen. Als erster Gesellschaftswirt müsste eigentlich der inzwischen längst verstorbene 1903 wirkende Wirt des alten Geleitshause angesehen werden, der und im Anfang des Bestehens der Gesellschaft auch oben auf der Höhe öfter mit einer „fliegenden Wirtschaft“ erquickte. Die Zufuhr auf dem damals nächsten Wege über Wogau erforderte immer viel Schweiß und von der Chausee ab auch stetes Abstützen des Wagens, damit dieser bei den schlechten, stark ausgewaschenen Bergwegen, nicht umfiel. Die Ankunft, der mit vielen Herrlichkeiten beladenen Wagen auf der Kuppe, wurde immer mit großer Spannung der nach oben gewanderten Mitglieder erwartet. Da der Verkehr zunahm und der Geleitshauswirt nicht allzu oft für oben abkömmlich war, sah sich der Vorstand nach einiger Zeit nach einer anderen Regelung um. Mit einem Wenigenjenaer Einwohner wurde zunächst provisorisch eine Vereinbarung getroffen, welche diesen als Beauftragten der Gesellschaft verpflichtete, zu bestimmten Zeiten mit Erfrischungen oben auf der Höhe zu sein, oder bei den Sportarbeiten am Fußwege. Bald wurde also eine primitive Bude errichtet, in welcher der Wirt - trotzdem Wind und Regen Zutritt hatten - seine Herrlichkeiten unterbrachte. Nach Einweihung des ersten festen Hauses im Sommer 1904 wurde die Wirtschaft dann in den neuen festen Raum verlegt. Bis dahin durften bestimmte Getränke nur an Mitglieder der Gesellschaft abgegeben werden, was uns manchmal eine Zahl neuer Mitglieder einbrachte. Denn wer im Sommer bei starker Hitze mit lechzender Zunge mach oben kam und sah die Mitglieder bei kühlen Getränken sitzen, der wurde gern schnell Mitglied und fast immer ein wiederkehrendes. In dem im Sommer begonnenen festen Heim wurde die Jenzig-Gesellschaft als solche Kommissionsinhaberin, der bisherige provisorische Wirt blieb mit der Durchführung der Wirtschaft beauftragt und zwar bis zur Fertigstellung des großen Aufbaus. Dieser immer noch als Provisorium angesehene Wirt hatte viel Mühe und Arbeit, da die Einrichtungen noch nicht entfernt den gewachsenen Ansprüchen und dem Verkehr genügten. Er war zudem noch anderweitig beschäftigt und wirkte oben nur in Nebentätigkeit, so dass der Betrieb in der meisten Zeit von der Frau bewältigt werden musste. Kurz vor Fertigstellung der großen oberen Räume erfolgte eine Ausschreibung der Bewirtschaftung, die das Ergebnis brachte, dass nunmehr ab 16. Dezember 1905 ein Fachmann ständig die Wirtschaft führte. Zunächst jedoch nur als Geschäftsführer der Kommissionsinhaberin, d.h. der Gesellschaft. Erst Ende 1906 wurde dieser Wirt selbständiger Pächter mit eigener Kommission. Das bis 31. März 1909 laufende Pachtverhältnis wurde vom Vorstand der Gesellschaft aber nicht erneuert. Ab Ende März 1909 fungierte dann als selbständiger Wirtschaftsführer ein Fachmann von der Wasserkannte, Carl Berbig. Und er fand sich oben gut zurecht und wirkte zur vollen Zufriedenheit aller Mitglieder und Besucher. Die Wirtschaft war gut im Stand. Aber die Sehnsucht nach den blauen Wogen war bei diesem Wirt so mächtig, dass er leider Ende März 1911 zurück zum Meere wanderte. Ende März 1911 erhielten wir dann einen Wirtschaftspächter, Familie Häger, der zur 20-Jahrfeier sein zwölfjähriges Jubiläum oben feierte. Während des Krieges war dieser Wirt im Felde, seine Frau hielt, wie schon einmal erwähnt, den Betrieb tapfer aufrecht. Auch als ein richtiger „Jenzigmann“ wurde diesem Wirt einige Zeit vor dem Kriege oben in unserem Jenzighause geboren, ein Ereignis, welches seit grauer Vorzeit noch nicht in den Kirchen- bzw. später in den Standesamtslisten eingetragen war. In unserer Wirtschaft oben auf der Höhe war es in den Jahren des Bestehens derselben niemals teurer als in den Wirtschaften unten im Tale. Die Preise der einzelnen Erfrischungen etc. haben sich, wie ja allgemein bekannt, seit Kriegs-ende ganz ungeheuer gesteigert. Wenn z. B. das halbe Literglas Lagerbier unten 1903 noch 13 Pfennige kostete und ab 1904 15 Pfennige, so wurde letzterer Preis oben auch jahrelang- bis in die ersten Kriegsjahre hinein gezahlt. Dann fing ein Steigen an, zuerst langsam, 1920 aber immer schneller und seit Ende 1922 ins Ungeheuerliche gehend. Jetzt sind wir bei 2.000,- M für vierzehntel Liter Lagerbier angelangt, oben, wie unten im Tal. Wie ein Märchen wird es den unkundigen jüngeren Besuchern vorkommen, wenn ihm einstens erzählt wird, wie 1903 bald ein Bierstreik ausgebrochen wäre, weil ein Aufschlag von 13 auf 15 Pfennig für den halben Liter erfolgte. Auch die anderen Erfrischungen und Speisen sind im Preise allerwärts in demselben, teilweise noch in größerem Verhältnis gestiegen. Der Vorstand der Gesellschaft hat in den ersten zwanzig Jahren wenig gewechselt. Abgesehen von einigen freiwilligen Rücktritten blieb er in den ersten fünf Jahren fast unverändert. Aber auch später brachte die jährliche Wahl immer wieder Herren aus dem alten Stamm in den Vorstand. Die Vorsitzenden wurden jeweils auf ihre Bitten um Entlastung 1908, 1914, 1920 und 1921 gewechselt. Ganz wesentliche Arbeit hatten immer die Kassierer. Der erste Kassierer, der bis 1909 im Ehrenamte war, hatte infolge der in seine Zeit fallenden Bauten und der überall neu zu treffenden Einrichtungen, besonders viel zu tun. Aber auch die Geschäfte, der von 1910 ab amtierenden Kassierer, welche 1910, 1915 und 1920 wechselten, waren immer recht umfang-reich und sicher viel größer als die Geschäfte eines Rechnungsführers in den umliegenden Land-gemeinden. Je größer die Gesellschaft, je mehr Arbeit wird der jeweilige Kassierer haben. Die Schriftführer, welche in den vergangenen zwanzig Jahren nur viermal wechselten, hatten ständig rege für die Gesellschaft zu tun. Alle im Ehrenamt befindlichen Vorstandsmitglieder waren immer arbeitsfreudig und unermüdlich und erleichterten sich ihre Arbeiten durch gegenseitige Hilfe. Aber auch andere Mitglieder waren vielfach bei der Erledigung von Vorstandsgeschäften behilflich. Im Laufe der Zeit wurden ein Ehrenvorsitzender und vier Ehrenmitglieder ernannt. Einer der letzteren, der uns auch ein edel denkender lieber Grundstücksnachbar war, ruht seit einiger Zeit in einem Waldgrabe am Nordhang des Jenzigs.

Die Mißstände in der Jenzig-Gastronomie, also mit dem Pächter der Gaststätte im Jenzighaus, beschäftigte den Vorstand in starkem Maße über die Jahre 1924 bis zur Mitte des Jahres 1927, da der Wirt nie genaue und ausreichende Geschäftsunterlagen vorlegte und man eigentlich versuchte die Dinge einvernehmlich zu regeln. Fast 4-wöchentlich traf sich der Vorstand in dieser Angelegenheit. Beriet mit dem Gastwirt, drohte mit Kündigung, setzte aus seinen Mitgliedern eine Kommission zur Abwicklung der Problematik ein und schließlich mußte die Angelegenheit noch über Rechtsanwälte und Räumungsklagen zu Ende gebracht werden. Im Verlaufe dieses ganzen Prozesses wird sogar der Vorstand angegriffen und muß die Vertrauensfrage stellen, die jedoch positiv für ihn entschieden wird. Die Kündigung erfolgte schließlich zum 30.06.1927 und am 23.06.1927 wird in einer Vorstandssitzung der Pachtvertrag mit der Familie Mönnig verlesen und bestätigt, die über ein Auswahlverfahren aus mehreren Bewerbern hervorging. Man vermerkte: „Das Jenzighaus möge wieder zu alter „Größe“ zurückfinden.

Eine Dokumentation über die damaligen Wirtsleute der Berggaststätte Eugenie und Kurt Mönnig, erarbeitet und zum 100. Gründungstag der Jenzig-Gesellschaft am 17.06.2003 als Gastgeschenk übergeben von deren Enkelsöhnen, dem Herrn Thomas Mönnig aus Oberkochen und Herrn Uwe Mönnig aus Jena.
Für die freundliche Zustimmung zur Veröffentlichung in unserer Homepage bedanken wir uns herzlichst !

 

* Zu den Wirtsleuten des Jenzighauses von 1927-1936

Rückblick von Grete Gerber