Jenzig-Gesellschaft e.V.

 
 
 
 

Um den Jenzig

Vorschläge für Wanderungen um Jena
Mit freundlicher Genehmigung von Frau Ilse Traeger, Jena-Information 1982

Route 1:
Jenzig-Hufeisen-Kunitzburg (Gleisbergburg)-Zwätzen (Markierung blaues Quadrat, ca. 4,5 Std.)

Hier bietet sich eine der schönsten und abwechslungsreichsten Wandermög- lichkeiten, durch zahlreiche Abkürzungen kann man die Zeit verringern. Mit der Straßenbahn fährt man nach Jena-Ost (Ost-Schule), geht am Postsportplatz entlang zum Fuße des majestätisch aufsteigenden Jenzig (364m). Am Röthang befinden sich Gärten; einst war es Weinbaugebiet. In bequemen Serpentinen ist der Berg zu ersteigen (bei jedem Wetter trockene Wege).
Bei sehr warmer Witterung empfiehlt sich der schattige Waldweg, der hinter den Gartenkolonien nach links abzweigt (gut beschildert), der bis in die Gegend oberhalb des Thalsteines kaum ansteigt, dann in einigen Kurven zum Gipfel führt. Das Jenzighaus wurde 1904 als bescheidenes Schutzhaus errichtet, erhielt 1911 Telefonanschluß, 1928 eine Wasserleitung und wurde 1969 zu einem modernen, großräumigen Restaurant mit Terrasse umgestaltet, im Saal Bauernmöbel und Holztäfelung, die eine angenehme Atmosphäre schaffen. Der Jenzig-Freundeskreis gehört zum Kulturbund und hat im NAW beachtliche Leistungen geschaffen. 1930 bildete sich der noch heute beliebte Jenzig-Chor. Ein Gedenkstein erinnert an die illegale Osterkonferenz mit Karl Liebknecht im Jahre 1916, als dieser mit jungen Genossen der Arbeiterjugend hier oben weilte (Tafel von Karl-Heinz Appelt). Alljährlich finden hier seit dem 50. Jahrestag der Konferenz Meetings statt.

wanderwege1Nach Osten geht es leicht ansteigend weiter. Bei der Wiese zweigt nach links der Woldweg ab (s. o.), bald ist der höchste Punkt erreicht (386 m). Kurz davor kann man am Südhang einen steilen Pfad heruntersteigen, der zur Fahrstraße führt. Von Norden mündet hinter der Schonung der uralte Pfad von Laasan noch Wenigenjena. Auf der Höhe genießt man links Laubmischwald, rechts zwischen einzelnen Prachtexemplaren von Schwarzkiefern immer wieder schöne Durchblicke ins Gembdental. Besonders reichhaltig ist hier die Frühlingsflora, an der Gleisbergburg gibt es Märzenbecher, überall Leberblümchen, Frühlingsplatt-erbse, Seidelbast und an einer Stelle Frauenschuh. Hufeisenförmig umschließt der mächtige Muschelkalk das Tal von Kunitz, das sich nur nach Westen weit öffnet und im Inneren, nur von wenigen Stellen sichtbar, das winzige Laasan birgt, inmitten welliger Felder und Weiden. Zahlreiche Funde aus der Stein- und Bronzezeit zeugen von vorgeschichtlicher Besiedlung. Der Gleisberg umfaßt mit 237ha da ausgedehnteste Naturschutzgebiet unserer Gegend mit seinen zahlreichen Beständen wärmeliebender Kalkpflanzen und der seltenen Flaumeiche. Vom Jenzighaus gerechnet biegt nach 20 Minuten links ein Weg ab nach Laasan (1 Stunde 10 Minuten bis Zwätzen), nach weiteren 10 Minuten gabelt sich unser Weg, wir müssen links weiter, überqueren den Fußweg Laasan?Wogau, nach 45 Minuten taucht ein steinerner Wegweiser auf (Laasan, Großlöbichau, Jenalöbnitz anzeigend). Herrliche Buchen stehen am Talhang noch Kunitz, Rehe und Wildschweine leben im Dickicht weite unten. Noch der nächsten Linkswendung gibt es ab und zu hübsche Durchblicke in das Hufeisental und zum Jenzig.

Nach 1 Stunde 45 Minuten gelangt man zur Ruine der Gleisbergburg (im Volksmund meist Kunitzburg genannt), die schon Goethe am 4. Juli 1777 "gefährlich erstiegen" hatte. An der Südseite der Lichtung erhebt sich die wuchtige Mauer des Palas mit Fensternischen und mächtigen Strebepfeilern, die sich auf den steilen Muschelkalkfelsen stützen. Ein Graben trennt Brunnenhof vom Vorhof, der vom Bergsattel begrenzt wird. Die Gleisbergburg wird 1133 zuerst genannt. Kaiser Friedrich 1. erhob sie zum Reichsgut, so daß im 12. Jahrhundert Jenzig, Gleisberg und die Hausbergburgen kaiserliche Stützpunkte an der Saale waren. Erster Dienstmann auf Gleisberg war Walter von Weimar, dessen Nachkommen sechs Generationen lang hier lebten, bis sie, verschuldet, das Territorium aufgaben, während die Lobdeburger und Kirchberger zu Macht und Ansehen gelangten. 1324 befand sich die Burg in Dornburger Besitz, 1327 gab König Ludwig in Pisa dem Vogt Heinrich Reuß das Schloß als Lehen. Er war u. a. dem Michaeliskloster in Jena zinspflichtig. Unter reußischer Herrschaft blühte der Wohlstand, vor allem durch den Weinbau. 1398 gelang es den Wettinern, sich Gleisberg anzueignen. Bei der Teilung der Güter fiel die Burg 1445 an Herzog Wilhelm, Dieser belehnte 1450 seine Röte Bosse, Apel und Burkhard Vitzthum und Friedrich von Witzleben mit der Gleisbergburg. Sie schufen aus der verwüsteten Anlage ein Bollwerk, das Wilhelm ihnen aber, über ihre Untreue empört, 1551 wieder abnahm, verbündet mit seinem Bruder und den Städten Nordhausen, Mühlhausen und Erfurt. Reste des damals zerstörten Turmes sind noch vorhanden. Die Burg kam zum Amte Jena und verfiel rasch. Ganz in der Nähe siedelte sich 1810 für vier Jahre die "schwedische Gräfin" an, Karl August hatte ihr ein Stück Land hier oben geschenkt. Sie soll zur vertriebenen schwedischen Königsfamilie gehört haben, Zahlreiche Legenden knüpfen sich an ihren Aufenthalt.

Bewunderungswürdig ist die Aussicht vom Burggelände, auf die Mäander der Saale, nach Jena, Dornburg, auf die gegenüberliegenden Höhenzüge. Auf bequemen Serpentinen steigt man abwechselnd durch Buchenmischwald oder Karstbewuchs am kahlen Hang nach Kunitz mit zwei gut geführten Gaststätten. Als sorbische Siedlung hieß der Ort Condiz, gehörte im Mittelalter zur Gleisbergburg und war nach Adrian Beier im 16. Jahrhundert ein "Städtchen", das in der Almosenliste der Universität geführt wurde, als man Geld für das Studentenspital vor dem Saaletore sammelte. Kunitz besaß Mauern und Tore und dazu eine kleine Burg der Gleisberger Lehnsleute, von der nichts mehr zu sehen ist. Die Kirche mit ihrem schlanken Turm, vom Einsturz bedroht, stammt aus dem 18. Jahrhundert. Sie brannte davor mehrmals nieder, U. a. 1450, als die Tochter Nicoi Kauffmanns Brand legte und 49 Höfe mit der Kirche in Flammen aufgingen.
In wenigen Minuten erreicht man die Bahnstation Zwätzen und in 20 Minuten die Straßenbahn. Schön ist der Wiesenweg nach Jena (4 km) entlang der Saale oder der Fahrweg am Thalstein vorüber (4,5 km).

Route 2:
Am Fuße des Jenzig nach Laasan - Kunitz (ca. 2,5 Std.)

Oberhalb der Kunitzer Fahrstraße führt ein hübscher Weg durch Gärten, dann Wald nach Norden, Kastanien, Linden, Buchen und dichtes Lianengewucher schaffen malerische Wildnis. Auf der Grenze von Rät und Muschelkalk gelangt man zum Dörfchen Laasan (noch rechts halten), das zu Kunitz gehört und keine eigene Kirche besitzt. Das Gerücht, Laasan sei weder im Dreißigjährigen Krieg noch von Napoleons Truppen gefunden worden, will nicht aussterben. 1640 wird in Steueraufzeichnungen von wüsten Gütern in Laasan geschrieben, und aus Gemeinderechnungen von 1806 geht hervor, daß die Franzosen nicht nur eine Wachstube hier hatten, sondern auch brandschatzten, d. h. Geld und Naturalien forderten mit der Drohung, sonst das Dorf niederzubrennen. Laasan hat ein hübsches Fachwerkrathaus mit Türmchen und Uhr geschmückt (18.Jahrhundert). Der Ort ist vermutlich eine Gründung von Fronarbeitern der Gleisbergburg um 1100, urkundlich zuerst 1367 erwähnt. Bald schon blühte der Weinbau. Im westlicher Richtung geht es abwärts nach Kunitz, durch den Ort kann man aber auch auf den Hufeisenwanderweg hinaufgelangen (vgl. IVA.).