Jenzig-Gesellschaft e.V.

 
 
 
 

Die Jahre 1970-1990

Die Jahre 1970 bis 1990 

Das Jenzighaus, einst von der Jenzig-Gesellschaft aus eigenen Mitteln erbaut und bis 1954 Eigentum der Jenziger, war ihre Heimstatt, ihr wöchentlich-sonnabendlicher Treffpunkt und Erholungsort nach getaner Arbeit. Hier traf man sich, Jung und Alt, ungezwungen, in fröhlich-geselliger Runde. Man traf  Bekannte und Gleichgesinnte beim Kartenspiel, einem Glas Bier und Rundgesängen und der Gastwirt war eine vertraute Person im „Duz –Verhältnis“, wie es in einer Berggaststätte, in der man sich regelmäßig trifft, üblich ist.

So wollten die Jenziger ihr geselliges Vereinsleben auch nach der Enteignung per 01.01.1954 im Jenzighaus weiter pflegen, denn sie brachten ja auch weiterhin ihre Freizeit ein, um die Wanderwege und Anlagen am Berg in Ordnung zu halten und zu erneuern, damit der Jenzig den Jenaern und ihren Besuchern als das beliebte Ausflugsziel erhalten blieb. 

Aber es wurde schon an anderer Stelle bemerkt, dass, nach dem die Gastwirtsfamilie Schmaler das Jenzighaus verlassen hatte, die Gastwirte ständig wechselten. Die HOG, als stattliches Organ, hatte nicht immer die Besten dieses Berufes für den Jenzig ausgewählt, aber auch bei den Versorgungsengpässen der DDR und den komplizierten und wetterabhängigen Zufahrtsbedingungen zum Jenzighaus, war dessen gastronomische Führung schon eine Herausforderung, die nur mit Liebe und Enthusiasmus zur Sache langfristig gedeihen konnte. Letzteres war jedoch bei den meisten nicht gegeben - im Tal war ja für das gleiche Gehalt alles deutlich einfacher.

So war es geradezu vorprogrammiert, dass sich die anheimelnde Atmosphäre im Jenzighaus nach und nach verschlechterte, was noch dadurch beschleunigt wurde, dass der Vorstand der Jenzig-Gesellschaft oft offene, harsche Kritik an der Gastronomie im Jenzighaus übte. Letzteres ließ natürlich kein allzu gutes Verhältnis zwischen der Jenzig-Gesellschaft und besonders ihrem Vorstand mit den jeweiligen Jenzigwirtsleuten und auch der Führung von HO-Gaststätten aufkommen, obwohl sich beide Seiten für die gleiche Sache einsetzen wollten, die Jenziger für die bei jedem Wetter gegebene Begehbarkeit des Berges,  was dem Wirt Gäste brachte, die er benötigte, um sein von der HOG auferlegtes Umsatzziel zu erreichen und der Gastwirt mit HOG für eine befriedigende Bewirtung ihrer Gäste. Leider muß hier festgestellt werden, dass HOG die Arbeit der Jenzig-Gesellschaft für die Belange des Jenzigs, Pflege der Zugangswege zum Jenzig, des Umfelds der  Berggaststätte und zermürbende Intervenierung beim Rat der Stadt Jena in Sachen Fahrstraße zum Jenzig in keiner Weise gewürdigt hat; man hat sie überhaupt nicht wahrgenommen. HOG vermittelte den Eindruck, als wäre ihr die Jenziggaststätte ein sehr unliebsames Objekt, dass nur auf Grund der vermeintlichen Beziehung des Jenzigberges zur Person des Karl Liebknecht, des Cafe-Anbaus auf Weisung des Walter Ulbricht im Jahre 1968 und damit zur politischen Notwendigkeit gehörte.

 

Mitte 1973 wechselte der Jenzigwirt wieder. Ein Herr aus der Leipziger Gastronomie wurde Jenzigwirt. Er schrieb bis in die 80-er Jahre Gastronomiegeschichte im Jenzighaus und um es gleich hier zu sagen: dieses war wohl die schlimmste Zeit, die die Jenzig-Gesellschaft in ihrem ehemaligen Haus erlebt hat.

Wie soll man diese Zeit schildern? Sie ist gekennzeichnet vom Tun weniger Einzelpersonen, auf der einen Seite der neue Jenzigwirt mit seinen Vorstellungen und auf der anderen Seite zwei  Vorstandsmitglieder, die im Alter und ihrer Art unterschiedlich angelegt waren und zeitlich kurze Zeit parallel und sich später aus Altersgründen abgelöst haben.

Daneben stand die Mitgliedschaft der Jenziger, der Jenzig-Chor und HOG wie auch der Rat der Stadt Jena und die Vertreter der Dachorganisation des DKB (Deutscher Kultur Bund).

Der neue Gastwirt wollte scheinbar in der Berggaststätte das Flair eines Hotelrestaurants schaffen. An den Sonnabenden, die den Jenzigern als traditionelle wöchentliche Treffs im Jenzighaus dienten, wurden Tanzabende mit Eintrittsgeld eingeführt, jedoch nicht im Saal der Gaststätte, sondern im Restaurant, weil mit großem Andrang nicht zu rechnen war. Die Interessen der Jenziger vertrat in den Jahren 1973 bis Mitte 1974 zumeist allein der 1. Vorsitzende Otto Brömer gegenüber dem Gastwirt. Er vertrat die alten Rechte und Traditionen der Jenziger  in ihrem ehemaligen Eigentum, dem Jenzighaus, und fand bei dem neuen Wirt in dieser Richtung kein Verständnis und Entgegenkommen. Der Wirt dagegen trat der Jenzig-Gesellschaft sehr distanziert, mehr als unliebsamem Gast, gegenüber auf.

Bei Großveranstaltungen der Jenziger ließ er über sein Bedienungspersonal die Anwesenden mehr als kritisch beobachten und monierte jede ihm nicht genehme Verhaltensweise. Was da stattfinden sollte waren einfach keine Baudenabende mehr. Sie standen jedes Mal unter großer Anspannung sowohl bei dem Bedienungspersonal wie auch bei den Jenzigern und nahmen zumeist einen unguten Ausgang. Im Ergebnis solcher Abende übte der Wirt meist gezielt unberechtigte, harsche Kritik zumeist an Einzelpersonen, die in der Gesellschaft eine Leitungsfunktion ausübten oder anderweitig Einfluß im Verein hatten.

Eine andere Maßnahme des Wirtes war, wie schon oben kurz erwähnt, die Einführung der Disco-Sonnabende. Hiermit sprengte er die bisher traditionellen sonnabendlichen Treffs der Jenziger  auf dem Berg, denn neben dem Disco-Lärm sollten auch die Jenziger, die noch am Vormittag am Berg ihre Arbeitseinsätze leisteten und einst Eigentümer des Jenzighauses waren, mit Ausnahme der Rentner, Eintritt bezahlen.   

Das Ergebnis war, dass sich die Jenziger vom Berg zurückzogen und auch ihre Arbeitsleistungen am und für den Jenzig zurückfuhren.

In einer Reihe von Beratungen mit hochkarätigen Vertretern von HOG, des Rates der Stadt und des DKB wies der 1. Vorsitzende auf die zum Teil das Vereinsleben diskriminierende Haltung des Jenzigwirtes hin.

Es war fast wie eine Privatfehde, die sich zwischen dem 1. Vorsitzenden und dem Jenzigwirt entwickelte, die aber auch ihre Auswirkungen auf den Kreis der Vereinsmitglieder hatte.

Die Probleme zwischen dem FK Jenzig und dem Jenzigwirt beschäftigen den Vor-stand neben der Vereinsarbeit und den Arbeiten am Berg über die Jahre 1973/74 hinweg. In der der Jahreshauptversammlung am 17.04.1975 faßte der 1. Vorsitzende nach der Frage: "Warum gehen zu wenig Jenziger auf den Berg"? - die Dinge so zusammen:

Der Jenzigwirt will alle Arbeiten um das Jenzighaus herum selbst erledigen. Der Wirt sieht die Jenziger  nicht gern auf dem  Berg und im Haus. Niemand hat mehr Lust zum Arbeiten, wenn er abends noch 1,40 M Eintritt für eine lärmende Disco zahlen muß und fragt: „Auf welchen Bergen ist das noch üblich?“ Anscheinend kann ein Mann den ganzen FK Jenzig ins Wanken bringen. Andere Wirte arbeiten mit den Freundeskreisen zusammen und sind selbst Vorstandsmitglieder. Das Abwärts wird nur durch die Leistungen des Chores gebremst.

Doch auch in das Leben des Chores strahlten die Probleme des Lebens der Gesellschaft auf dem Jenzig hinein. Diese äußerte sich dann so, dass eine neue Gruppe junger Sänger des Jenzig-Chores sich des nach den Statuten notwendigen Beitritts zur Jenzig-Gesellschaft verweigerten, ja sie verließen dann sogar den Jenzig-Chor wieder.

1975 kommt es aus gesundheitlichen Gründen zu einem Wechsel bei der Funktion des 1. Vorsitzenden, doch die Probleme mit dem Jenzigwirt bleiben, aber auch die Vorstandsarbeit ist nicht mehr gut. Viel Initiative in der Zusammenarbeit mit dem Jenzigwirt und bei der Vorstandsarbeit geht vom Schriftführer aus. Ihm gelingt es im Alleingang Mittel frei zu machen für eine Neubelegung des Fußweges mit Bitumen und die Organisation der Arbeiten in den Jahren 1977 / 78. Diese Arbeiten schweißten eine größere Gruppe von Jenzigern wieder zusammen und weckten deren Interesse wieder für den Jenzig. Dieses entging jedoch auch dem Jenzigwirt nicht und so diffamierte er böswillig den Schriftführer.  Die Auseinandersetzungen mit dem Jenzigwirt führte der Schriftführer in die höchsten Kreise des Stadtrates um endlich einen Lösung durch einen neuen Wirt durchzusetzen. Dieses gelang nicht, obwohl den Jenzigern Recht gesprochen wurde. So verließen der Schriftführer und der 2. Vorsitzende den Freundeskreis. Durch Krankheit des 1. Vorsitzenden verblasste das Leben der Gesellschaft mehr und mehr. Die Kassierung der Mitglieder fand nur noch sporadisch statt. Nur im Jenzig-Chor, als Einheit der Gesellschaft, ging alles seinen geregelten Gang. Mitte der 80-er Jahre verließ auch der genannte Jenzigwirt das Jenzighaus, aber den Nachfolgern fehlte jegliche Qualifikation. Um die Jenzig-Gesellschaft sah es besorgniserregend aus. Endlich, 1987 ergriff der amtierende Kulturbundchef die Initiative. Er rief bekannte Persönlichkeiten der Gesellschaft zusammen und stellte diese vor die Alternative: Auflösung des Vereins oder ein Neubeginn, wobei er eindringlich das Letztere einforderte. Einige Mitglieder dieser Runde erklärten sich bereit die Zügel wieder in die Hand zu nehmen und das Schiff Freundeskreis Jenzig wieder in besseres Fahrwasser zu geleiten. Es wurden wieder die Arbeiten am Berg aufgegriffen, die Zusammenkünfte zu geselliger Runde im Jenzighaus wiederbelebt und neue Veranstaltungen auf dem Jenzig eingeführt, die heute noch stattfinden und sich auch gro0er Beliebtheit in der Jenaer Bevölkerung erfreuen. Es sind dies das Morgensingen Anfang Mai und die Sonnenwendfeier.

Mit der politischen Wende beginnt dann wieder eine neue Epoche im Leben der Jenzig-Gesellschaft.