Jenzig-Gesellschaft e.V.

 
 
 
 

Die Jahre 1990-2010

-Die Jahre 1990 bis 2003 / Gerhard Klingebiel

Mit der politischen Wende lichteten sich die Reihen des bis dahin gut agierenden Vorstands, da man sich neu um Arbeitsplätze bemühen musste. Beauftragt vom Vorstand wickelte der Dirigent des Jenzig-Chores gewissen Geschäfte des Vorstandes der Jenzig-Gesellschaft ab und stellte auch noch im Jahr 1990 den Antrag auf Rückführung des Jenzighauses und überhaupt des ehemaligen Eigentums an die Jenzig-Gesellschaft. Mit der Wende nahm auch der Vorstand der Wilhelm-Härdrich-Stiftung seine geordnete Tätigkeit wieder auf. Gemäß Satzung der Stiftung war der 1. Vorsitzende der Jenzig-Gesellschaft kraft seines Amtes neben dem Oberbürgermeister der Stadt Jena und dem Kanzler der Universität Mitglied im Vorstand dieser Stiftung. Die angesetzten Beratungen dieses Gremiums lagen jedoch ständig in der Arbeitszeit des 1. Vorsitzenden, so daß er diesen Beratungen oft fern bleiben musste. Versäumt wurde es auch, die Jenzig-Gesellschaft sofort nach der Wiedervereinigung wieder in das Vereinsregister eintragen zu lassen, damit sie wieder eine juristische Person werden konnte und so auch überhaupt einen Rechtsanspruch auf ihr enteignetes Eigentum stellen konnte. Über dieses Verhalten des Vorstandes der Jenzig-Gesellschaft und des Dirigenten des Jenzig-Chores gab es 1992 massive Kritik seitens des Vorstandes der Wilhelm-Härdrich-Stiftung und gewisser Gremien der Stadt Jena, so daß sich im Oktober 1992 die Jenzig-Gesellschaft neu formierte. Sie wählte einen neuen Vorstand, gab sich eine neue, aber stark an die alte angelehnte Satzung und meldete sich wieder beim Amtsgericht als eingetragener Verein an. Der neue 1. Vorsitzende informierte den Vorstand der Stiftung und die Stadtverwaltung über diese Schritte und nahm sofort die Mitarbeit im Vorstand der Wilhelm-Härdrich- Stiftung auf, da er erkannte, welch wichtige Rolle diese Stiftung für der Jenzigberg und die anderen markanten Berge um Jena hatte. Die größten Probleme, die der neue Vorstand zu lösen hatte, waren: Konsolidierung und Vermehrung des bestehenden Mitgliederbestandes, Anknüpfung an die alten Traditionen und deren Belebung im Vereinsleben, Verfolgung des Rückführungsanspruches und eine grundhafte Sanierung der Zugangswege zum Jenzighaus.

1998 beging die Jenzig-Gesellschaft ihr 95. Bestehen in kleinem Rahmen. Dabei konnte die feierliche Weihe einer neuen Vereinsfahne im Jenzighaus begangen werden. Diese wurde hauptsächlich finanziert mit Lotto-Mitteln des Thüringer Finanzministeriums. In Anlehnung an die alte, leider nicht wieder auffindbare Urfahne (letztmalig Mitte der 50èr Jahre in der Wäscherei Lutherstraße gesehen), wurde die erste Seite der Jenzig-Gesellschaft und die zweite Seite dem Jenzig-Chor gewidmet.

 

Die Ergebnisse auf diesen Arbeitsfeldern des Vorstandes bis 2003 kurz zusammengefasst, sind folgende: Im Rückführungsprozeß scheiterte die Jenzig-Gesellschaft an der sogenannten Vereinskontinuität. Der Verein war ja 1949 aus dem Vereinsregister gestrichen worden, weil er sich den neuen gesellschaftlichen Forderungen an das Vereinsleben im Kulturbund der kommenden DDR widersetzte. Es gelang jedoch dem 1. Vorsitzenden, die Wilhelm-Härdrich-Stiftung zu bewegen, im Jahre 2000 das Jenzighaus zu kaufen und zu sanieren. Das Vereinsleben musste wie schon oft auf dem Jenzig-Chor aufbauen und belebte nach und nach auch wieder das Jenzighaus mit größeren Veranstaltungen. Die Mitgliederzahl konnte trotz Werbens nur geringfügig erhöht werden.

Über die Mittel aus der Wilhelm-Härdrich-Stiftung konnte der Zick-Zack-Wanderweg zum Jenzighaus mit neuer Schwarzdecke, neuem Geländer und teilweise neuen Stützmauern in den Jahren 1995/96 und 1998/2002 versehen werden. Nicht vergessen werden sollten die Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen der Mitglieder an den Wanderwegen und Bänken den Jenzig hinauf.

 

-Die Jahre 2003 - 2010 / Wolfgang Eifler

Mit gewissem Stolz konnte dann 2003 der 100. Jahrestag der Gründung der Jenzig-Gesellschaft begangen werden. Doch dieses Jubiläum wollte nach zehnjähriger Vorstandsarbeit, Herr Gerhard Klingebiel nicht mehr als Vorsitzender begehen und bat in Vorbereitung der Jahreshauptversammlung 2003 um Entlastung. Es wurde ein neuer Vorstand mit Herrn Wolfgang Eifler an der Spitze gewählt. Für seine langjähriges engagiertes Arbeit wurde Herr Gerhard Klingebiel zum Ehrenvorsitzenden unserer Gesellschaft ernannt.

Es begann eine Phase mit vielen neuen Aktivitäten. Dabei erhielt der Vorsitzende große Unterstützung durch den Stellvertreter, Herrn HansJoachim Ratzenberger. Der Jenzig-Berglauf wurde 2005 ins Leben gerufen, eine Internetseite eingerichtet, Vereinsflyer gedruckt und verteilt. In zwei öffentlichen Schaukästen in der Stadt wird seit 2004 über das Vereinsleben und die ehrenamtliche Arbeit informiert. Ein neuer Gerätestützpunkt konnte in Besitz genommen werden. Ein zeitgemäßes Statut wurde 2007 in Kraft gesetzt. Im gleichen Jahr begann die Herausgabe der internen Infoschrift „Jenzig-Bote“, mit der die Mitglieder regelmäßig quartalsweise informiert werden - so sind alle, besonders auch die Auswärtigen, stets in Kürze über die neuesten Ereignisse informiert. Das Archiv erhielt eine Aufwertung durch einen neuen Standort. Zwei Kooperationsvereinbarungen wurden geschlossen, mit dem Staatlichen Anger-Gymnasium und mit der Firma Saale-Betreuungswerk gGmbH. Darin ist die Zusammenarbeit zu gegenseitigem Nutzen verankert. Die Zusammenarbeit mit dem Stadtforst, dem Umweltamt der Stadt und den Jenaer Bergvereinen konnte konkreter gefasst werden, es folgen mehrmals im Jahr Beratungen zu anstehenden Aufgaben bei der Pflege unserer Berge.

Besonders erfreulich ist der beachtliche Mitgliederanstieg von 2003 ca. 70 bis Mitte 2010 auf 170 Personen. Wenn auch eine große Zahl eher nur den Status „zahlendes“ Mitglied bekleiden, so helfen doch ihre Jahresbeiträge bei der Finanzierung gewisser Vorhaben - denn die Spendenfreudigkeit von Betrieben ist fast gegen „Null“ gegangen! Doch der geschäftsführende Vorstand (Vorsitzender, Stellvertreter, Schatzmeister) verstanden es, aus Wenig doch Beachtliches zu machen.

Die jährlichen Veranstaltungen bieten allerlei Abwechslung und fördern das Zu-sammengehörigkeitsgefühl - wie Vorträge und gesellige Abende, wandern in der Region und zu den Thüringer Wandertagen, Begegnungen bei den Nachbarn u.a.

Leider geht -zum Teil altersbedingt- die Einsatzfreudigkeit bei der uns eigenen „Arbeit am Berg“ zurück. Und auch die jüngeren Mitglieder fehlen dabei. Die jährlichen Zuwendungen der Wilhelm-Härdrich-Stiftung sind die Haupteinnahmequelle für Materialien für diese ehrenamtliche Tätigkeit. Bereits mehrmal gelang es dem Vorsitzenden als Vorstandsmitglied der Stiftung, über den Standardbetrag hinausgehende Geldmittel zu erstreiten, sodass einige wichtige Maßnahmen am Wanderweg, dem Stützmauerwerk, Sanierung der Schutzhütte, Waldschenken u.a. finanziert werden konnten. Eine Reihe neuer Sponsoren für Ruhebänke aus unserer Gesellschaft steuerten Gelder zum Neuaufbau nunmehr „Ihrer“ Bank bei, sodass nun nur noch einige wenige Bänke „ohne“ Namen verblieben. Der Vorsitzende erstellte ein aktuelles Bankkataster, auf dem alle Bänke mit Namen, Nummern und Baumaßen für evt. Erneuerung aufgeführt sind - das erleichtert die weitere Arbeit deutlich.

Unser Jenzig-Chor beging 2009 sein 80. Gründungsjubiläum in würdiger Form, zu Gast waren Persönlichkeiten der Stadt und drei verbunden Chöre. Leider besteht dringender Nachwuchsbedarf an jüngeren Sängern - aber das ist ja ein Problem fast aller Chöre!

In diesem Jahr 2010 konnten wir das 107. Gründungsjubiläum im Rahmen einer gemütlichen Kaffeetafel im Jenzighaus begehen. Drei Mitglieder erhoben wir in den Stand einer Ehrenmitgliedschaft (Herren Peter heintze, Rudolf Gerhardinger und Wolfgang Schwarz), angesichts vorbildlicher langjähriger Tätigkeiten für unsere Gesellschaft.